Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
Sie können sich hier anmelden
Dieses Board hat 62 Mitglieder
589 Beiträge & 65 Themen
Beiträge der letzten Tage
Foren Suche
Suchoptionen
  • Aufbewahrung der SchätzeDatum16.07.2017 20:55
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Ich habe den Band leider nicht mehr... aber Du versäumst nicht viel, wenn Du die Seite nicht siehst. Das ist wirklich übel zusammengeschnippelt.

  • Band 40: CHAOS IN DER FORMEL 1Datum04.07.2017 18:08
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Das ist in der Tat eine stümperhaft zusammenmontierte Seite von Ehapa (nicht Koralle). Die existiert sonst nirgendwo. Ob Graton zu sowas die Erlaubnis gegeben hat? Schwer zu sagen...

    Im Mosaik-Album taucht die Seite natürlich nicht auf.

  • Aufbewahrung der SchätzeDatum30.06.2017 07:36
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Ja, ich habe auch schon vor längerem meine Plastikhüllen abgeschafft. Was soll das bringen? Sieht bloß häßlich aus im Regal.

    Von mir aus sollen die Bände im Lauf der Jahrzehnte dann halt ein bißchen verschimmeln, damit kann ich leben. Ich habe eh nicht vor, die Sachen wieder zu verkaufen. Und wer was mit dem Zeug macht, wenn ich in die Grube gefahren bin, ist mir herzlich egal...

  • Von Jean Graton signierter DruckDatum05.06.2017 21:46
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Der gute Jean lebt in Brüssel in einem Pflegeheim und hatte ein paar Schlaganfälle sowie den Tod seiner Frau und eines Sohnes zu verkraften. Mit den neuen MV-Comics hat er natürlich nichts mehr zu tun, das ganze Projekt Vaillant wird seit Jahren federführend von seinem Sohn Philippe gestemmt. Es heißt aber, Jean wäre mit dem neuen Stil zufrieden, was natürlich nicht nachgeprüft werden kann.

    Wie viel er tatsächlich noch bewusst mitbekommt, weiß man nicht, aber er scheint soweit noch gut beieinander zu sein. Hier ist ein aktuelles Photo von ihm:

    https://www.google.de/search?q=Jean+Grat...=6nyQFXd3u5i3hM:

    Wenn ich es recht sehe, ist Jean Graton der bislang einzige bekannte frankobelgische Comickünstler, der ein Alter von 93 Jahren (demnächst hoffentlich 94) erreicht hat. In einem Interview meinte Philippe, die Moral und der Appetit seines Vaters seien noch gut. Gerade letzteres ist bei einem Mann seines Kalibers natürlich besonders beruhigend. :)

  • Von Jean Graton signierter DruckDatum30.05.2017 21:43
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Aber der Mann lebt doch noch. :)

  • Julie WoodDatum17.01.2017 21:24
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Ja, die JW-Ausgabe erscheint doch - zu meiner Überraschung. Ist natürlich sehr erfreulich.

  • Opel in Michel Vaillant ComicsDatum21.12.2016 00:11
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Hallo Uli,

    diese sehr spezielle Frage wird Dir wohl niemand erschöpfend beantworten können. Dazu müsste man eine Recherche über mehrere tausend Vaillant-Seiten starten, was kaum zu leisten ist. Tendenziell ist nicht damit zu rechnen, dass man viele Opels bei MV findet. Graton hatte ja jahrelang Beziehungen zu Ford, deswegen trifft man eher auf Autos dieser Marke.

    Eventuell tauchen in den Rallye-Stories gelegentlich Opels auf. Falls Du in denen rechericheren möchtest/kannst, wären das:

    K1 (Rallye Monte Carlo), K3 (Lüttich-Rom-Lüttich), A3 (Spanien-Rallye), A6 (Panamericana), A8 (Lyon-Charbonnieres, Lüttich-Sofia-Lüttich), A19 (Portugal), K10 (Rallye Monte Carlo), A22 (Carrera Panamericana), A25 (Rallye Monte Carlo), A27 (East African Safari), A37 (Rallye der 1000 Pisten, Südfrankreich), A39 (Reunion), A41 (Paris-Dakar), A45 (Portugal), A57 (Hanoi-Saigon), A63 (Dakar-Kairo), A65 (Shoaguan-Rallye), A67 (North Parallel Canadian Rallye, Island Rallye), A69 (Orient-Rallye) sowie ganz aktuell A2.03 von 2014.

    Gruß
    Bob

  • Julie WoodDatum23.03.2016 21:14
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Dazu gibt es nur ganz vage Absichtserklärungen von Mosaik, aber keine konkreten Pläne, Termine etc. Ich halte es für eher unwahrscheinlich, dass es eine Julie-Wood-Ausgabe bei Mosaik geben wird.

  • Das siebte Album: "Die Draufgänger"Datum03.03.2016 12:35
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Hallo Tobias,

    Gratons Vor-Ort-Recherchen machten die Serie immer besonders authentisch und haben dafür gesorgt, dass man sie heute auch als interessantes Zeitdokument sehen kann. Ich glaube, kaum ein anderer Zeichner hat so intensiv vor Ort recherchiert wie JG. Man sieht den Geschichten auch an, dass Graton mit den Schauplätzen wirklich erstklassig vertraut war - man denke da nur an Burg Abenberg/Königsfeld oder den Le Mans-Kurs. Wer nicht vor Ort war und die Atmosphäre geschnuppert hat, der kann das kaum in dieser Weise darstellen.

    Das französische Kino hat natürlich auch heute noch Stars, aber die goldene Ära, das waren wirklich die 50er/60er, vielleicht noch die frühen 70er Jahre. Das war auch die Zeit, als es noch "das alte Frankreich" gab, über das wir mal in den Nachworten geschrieben haben und zu dem auch der klassische MV-Kanon gehört. Plus natürlich die bekannten Schauspieler, die Chansons, die legendären Autos und und...

    Den Titel des Threads habe ich geändert.

    Gruß
    Bob

  • Das siebte Album: "Die Draufgänger"Datum29.02.2016 16:53
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Hallo Tobias,

    >Ich staune immer wieder, wie viel sich auf 64 Seiten verstauen lässt

    das ist in der Tat das MV-Album mit der größten Handlungsdichte und letzten Endes wohl auch das mit dem besten Szenario. Duchateau war damals wirklich in Hochform und hat es wunderbar hingekriegt, die drei zentralen Handlungsstränge (Stunts / Testfahren / Intrige) miteinander zu verbinden und dazu noch schöne Soap Opera-Elemente einzufügen. Mir hat dieses Album eigentlich immer am besten gefallen, schon damals, als die Story in der dicken ZACK-Box erschienen ist. Die atmosphärische Dichte, der ausgefeilte Plot, die coolen Stunts, die schönen nostalgischen Autos, die tollen Schauplätze inklusive Atomium... das ist eine rundum perfekte Arbeit. Vor allem gelingt es Graton/Duchateau hier, die Rennszenen absolut organisch in eine spannende Handlung einzubetten, alles ist plausibel aufeinander bezogen. Bei späteren MV-Alben ist es ja doch oft so, dass die Rennszenen und die anderen Story-Elemente eigentlich wenig miteinander zu tun haben und nebeneinander herlaufen.

    >- S. 4: Hier ist im ersten Bild eine Büste hinter Michel zu sehen. Da es sich wohl nicht um Napoleon handelt, ist es wahrscheinlich ein Vorfahre der Vaillants, der sich z. B. im deutsch-französischen Krieg von 1870/1 hervorgetan hat.

    Man weiß es nicht und wird es nie erfahren. :) Auf jeden Fall eine schöne Büste! Die Innenausstattung der vaillantschen Wohnungen und Häuser ist sowieso faszinierend. Da müsste man mal ein Special dazu machen. In A5 ist während der Diskussion um Madames Alptraum z.B. mehrfach ein Kruzifix an der Wand zu sehen, so als habe Graton hier vorsichtshalber für göttlichen Beistand für MV sorgen wollen.

    > - S. 10 im drittletzten Bild: So etwas nennt man heutzutage Product Placement. Es ist in einer detaillierten Rennfahrerserie natürlich ohnehin nicht anders zu machen, als dass permanent Markennamen im Bild sind. Witzig aber, wenn es sich, wie hier, abseits des Rennzirkus um Cognac, oder wie auf S. 29 um Jean-Pierres Zigarettenmarke handelt.

    Ich schätze, in späteren Jahren hätte sich der Meister Graton für solche Product Placements bezahlen lassen. :) Damals aber hat er die Sachen noch in aller Unschuld in der Story untergebracht.

    > Man könnte also in Anspielung auf das Product Placement von S. 10 durchaus behaupten: ein guter Jahrgang!

    Das französische Kino dieser Zeit war großartig. Unterm Strich war Frankreich damals wohl die Filmnation Nr. 1. Es gab eine Unzahl großartiger Filme, Schauspieler, Regisseure, und mit der Nouvelle Vague hatte Frankreich die wichtigste filmästhetische Innovation der Nachkriegszeit hervorgebracht. Vor allem das Star-Portfolio des Landes war damals unschlagbar, von den alten Brummbären der Sorte Gabin/Vanel über die mittlere Star-Generation der Sorte Ventura/Montand/Piccoli/Marais bis hin zu den jungen Wilden á la Belmondo/Delon war da alles dabei, dazu noch Komiker der Sonderklasse wie de Funès/Bourvil/Fernandel/Tati... lange ist's her. Heute gibt es ja kaum noch einen französischen Schauspieler, der über das Land hinaus bekannt ist.

    > S. 28: Hier hängt im ersten Bild eine gigantische Tricolore im Arc de Triomphe. Ich glaube, das ist nur anlässlich des Nationalfeiertags (14. Juli) der Fall, möglicherweise aber auch zu anderen militärischen Gedenktagen. Jedenfalls ist es eher selten.

    Interessant. Das Detail war mir noch nicht aufgefallen. Die entsprechende Seite müsste Mitte/Ende Mai erschienen sein, also lange vor dem 14. Juli. Vielleicht hat JG die Fahne einfach eingefügt, weil der Arc so besonders dekorativ aussah.

    Ich habe schon mehrfach versucht, auf Google Earth die beiden Pfeiler mit den Pferden zu finden, war bislang aber glücklos. Die wurden doch bestimmt nicht plattgemacht, sondern stehen immer noch da rum. Aber wo???

    Interessant auch, dass MV hier einen weiteren Vaillante überholt, einen Concorde. Ich glaube, das ist die einzige Straßenszene im MV-Kosmos überhaupt, in der ein weiterer Vaillante-PKW auftaucht.

    Ich ging außerdem immer davon aus, dass JG wegen der vielen, vielen Autos, die in diesem Album zu zeichnen waren, hier schon einen Assistenten hatte. Aber laut allen Infos und Aussagen ist Denayer erst im nächsten Album als Wagenzeichner eingestiegen.

    > - S. 33: Das Rennen findet offensichtlich auf einer ganz normalen, ausgeschilderten Straße statt.

    Ja, das ist der alte Heysel-Kurs, das sind ganz normale Straßen. Das kleine Häuschen, vor dem MV schleudert, steht immer noch da. JG wollte sich auf jeden Fall nicht die - zweite und letzte - Gelegenheit entgehen lassen, ein F1-Rennen in seiner Heimstadt Brüssel zu inszenieren (zumindest gehe ich davon aus, dass er in/um Brüssel wohnte; das galt meines Erachtens für alle "Tintin"-Zeichner). Das gab's nur anno 61 und 62. Ist auch das letzte Mal, dass das Atomium bei MV zu sehen ist. Brüssel spielt als Handlungsort dann sowieso erst Mal keine Rolle mehr und war erst wieder 1974 in A25 zu sehen.

    Danke für den Hinweis auf das YT-Video!

    > Auf S. 48 ist im ersten Bild der Schriftzug über dem Tor abhanden gekommen, der witzigerweise jedoch auf der letzten Seite des Nachworts im selben Bild deutlich zu sehen ist.

    Ja, ist seltsam, hab mich auch schon gefragt, warum das so ist. In meiner alten ZACK-Box fehlt der auch, im Carlsen-Album und im Original dann bestimmt ebenfalls.

    > S. 54: Witzig, dass Michel und sein Gegner hier die Wette austragen, zu der es in Album 4 nicht gekommen ist. Vielleicht hatte der ein oder andere Leser dies schade gefunden, und Graton stellt nun auch diese zufrieden.

    Könnte man so sehen, ja. Auf jeden Fall fährt Blancardo jetzt nicht mehr den Jaguar XK 150 aus A4. Der von MV zugeparkte Flitzer ist doch wohl ein Triumph TR4. Damals im übrigen ganz neu, wie fast immer, wenn Graton schicke Flitzer zeigt. Der schöne Porsche ist allerdings wohl schon etwas älter, das müsste der 356 B von 1959 sein.

    > Auf S. 55 scheint Michel tatsächlich bereit, seinen Gegner sterben zu lassen. Es ist Gil, der ihm ins Gewissen redet.

    Allerdings undenkbar im katholischen "Tintin", dass einer der Pfadfinder-Helden sich soweit daneben benimmt. :) MV hätte bestimmt selbst noch - moralisch - die Kurve gekriegt.

    >Ob Graton jemals erfahren hat, dass sehr viele Deutsche ohnehin in ihren Wohnungen und Häusern Heiztechnik der (deutschen) Firma "Vaillant" verwenden?

    Das hätte ich ihn gerne in dem großen Werk-Interview fragen können, das leider nie mehr zustande kommen wird! :)

    > - Auf S. 61 unten leuchtet mir der Ablauf der Ereignisse nicht ein. Erst wird der Bolide geborgen, dann der Laster aufgerichtet?

    Stimmt... das müsste eigentlich andersrum sein. Da ist der Ablauf nicht korrekt. Am besten die Seite einscannen, den Text ändern, die neue Seite ausdrucken und die Ursprungsseite vorsichtig überkleben. Dann hat alles seine Richtigkeit. :)

    > Interessantes Ende auf S. 63: Wie das Rennen ausgeht, wird offen gelassen. Ein geschickter Schachzug von Graton: Wer seinen Michel immer siegen sehen will, kann sich das einfach hochrechnen, wem die Dauersiegerei aber zuviel wird, kann sich selbst ausdenken, dass es doch noch einen Motorschaden geben wird.

    JG ist wohl auch aufgefallen, dass die ständige Siegerei etwas unrealistisch ist. In A12 lässt er das Rennergebnis dann ja auch wieder offen. In A13 wird aber wieder gesiegt, auch wenn das Rennen selbst nicht gezeigt wird.

    > Ich habe mir übrigens anlässlich dieses Albums noch einmal "Fanfan der Husar" angesehen, um nach Gil Delamare als Schauspieler Ausschau zu halten, aber ich fand es schwer, ihn einwandfrei zu identifizieren

    Ich hatte schon versucht, ihn in "Der längste Tag" zu entdecken. Er müsste ein Mitglied des französischen Kommandos sein, das das Casino einnimmt. Aber ich habe ihn leider nicht identifizieren können. Als Schauspieler hat er wohl nur bessere Statistenrollen gespielt, seine Domäne waren die Stunts. "Fanfan" müsste ich mir Delamare-mäßig auch mal zur Brust nehmen.

    Noch etwas interessantes in Bezug auf A7. Die Charlie-Hebdo-Attentäter müssen nach meinen Recherchen bei ihrer Flucht im letzten Jahr genau die Kurve der N2 passiert haben, in der der grüne LKW umgekippt ist (nördlich von Vauciennes). Sie wurden ja von Spezialkommandos in Villers-Cottêres und in Crépy-en-Valoises gesucht, also in den Nachbarorten von Vauciennes. In Montagny-Sainte-Félicité, südwestlich direkt an der N2 gelegen, haben sie ein Auto gekapert und sind dann wieder zurück nach Paris gefahren. Nach menschlichen Ermessen müssten sie auf jeden Fall die Kurve an der alten Brasserie passiert haben, bevor sie nach Villers-Cottêres kamen. Ein irgendwie bedrückender Gedanke...

    Danke nochmal für Deine interessanten Anmerkungen!

    Gruß
    Bob

  • IM NAMEN DES SOHNESDatum22.02.2016 22:18
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Hallo,

    mir ist nicht bekannt, dass es ein Vorbild für den Gil gäbe. Es gibt aber auch nicht immer ein Vorbild für die Vaillante-Rennwagen, selbst wenn gewisse Ähnlichkeiten mit seinerzeit aktuellen Modellen existieren.

    Der Gil ist designtechnisch eine Weiterentwicklung der Concorde-Limousinen von 61/64 und - in seiner Coupé-Variante - der Mittsechziger-Coupés Marathon und Le Mans GT. Diesen typischen Kühlergrill mit dem angedeuteten Vaillante-V findet man ja während der gesamten 60er Jahre, bis hin zum Vaillante Neuilly von 1969. Auch später wurden noch ähnliche Design-Elemente genutzt.

    Die Benennung des Wagens nach Gil Delamare muss übrigens ganz schnell bzw. spontan nach dessen Tod erfolgt sein. Delamare war gerade mal sechs Wochen tot, als der Vaillante Gil im Juli 66 am Ende von "Konzert der Piloten" erstmals zu sehen war.

    Gruß
    Bob

  • Aufbewahrung der SchätzeDatum05.07.2015 07:55
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Interessante Variante. Das muss ich auch mal ausprobieren.

  • Das sechste Album: "Warsons Verrat"Datum05.07.2015 05:46
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Hallo Tobias,

    noch ein paar Anmerkungen zu Deinen Anmerkungen. :)

    >> Eine schöne Idee, das Album direkt mit der Siegerehrung des Voralbums beginnen zu lassen. Man hat als Leser dadurch das Gefühl, keinen Tag im Leben der Protagonisten zu verpassen.

    Ja, das ist schön gemacht und, wenn ich das richtig sehe, auch nahezu einmalig. Mir fällt zumindest keine andere Serie ein, bei der das so praktiziert wurde. Selbst wenn es bei anderen Serien Doppelabenteuer gibt, schließt das zweite Album in der Regel zeitlich nicht direkt an das erste an. Auf jeden Fall unterstreicht diese Art des Erzählens den Eindruck, dass Graton eine fiktive Chronologie erzählt und nicht bloß Einzelalben aneinanderreiht, wie es sonst üblich ist. In dieser speziellen Art ist das im frankobelgischen Kosmos bis dahin meines Erachtens nicht gemacht worden. Natürlich gab es auch in anderen Serien inhaltliche Bezüge zu früheren Geschichten, aber diese Art epischer Chronologie, wie sie Graton konzipiert hat, ist quasi einmalig - und macht den besonderen Reiz der Serie aus. Zumindest bis, sagen wir, Mitte der 70er Jahre.

    >> Gewundert habe ich mich auf S. 7 allerdings über Steves Bemerkung über Wissenschaftler, die "zum Mond geflogen sind". Das Album ist doch von 1961/2, da ist es bis zur ersten bemannten Mondlandung doch noch einige Jahre hin?

    Ja, da ist der gute Steve seiner Zeit eben voraus. :) Aber der Satz ist schon merkwürdig.

    >> S. 8 bis 13: Sechs Seiten voller Flugzeuge und Flughäfen - ungewöhnlich in einem Rennfahrercomic, aber gut für den "Duft der großen weiten Welt".

    Interessant auch, wie gemächlich damals erzählt wurde bzw. werden konnte. Vier Seiten nur für die US-Reise unserer Helden! Ergo zwei, drei Wochen, in denen der Leser mit einer letztlich unbedeutenden Nebenepisode beschäftigt war. Anfang der sechziger Jahre konnte man sich das noch erlauben, da waren die Konsumenten noch nicht auf das beschleunigte Erzähltempo hin konditioniert, das dann später mit den TV-Serien in Mode kam. Heute könnte sich das keiner mehr erlauben. Auch JG hat die Flugreisen von MV später nie wieder in dieser epischen Länge ausgebreitet. Die wurden dann nur noch in ein paar Bildern abgehandelt.

    >> Auf S. 14 oben finde ich die Landschaftsansicht regelrecht misslungen. Der See oder was immer das sein soll sieht wie eine tote isfläche aus, und auch die Berge stehen irgendwie falsch und kulissenartig in der Gegend herum. Was umso mehr verwundert, als Graton bei der Spanien-Rallye in Album 3 ja schon unter Beweis gestellt hat, Landschaften zeichnen zu können.

    Ja, das passt irgendwie nicht. Er hatte wirklich schon bessere Landschaftsdarstellungen. Vielleicht war er unter Zeitdruck? Schwer zu sagen. Mit dem Einstieg der Assistenten ab Band 8 scheint das Niveau der Landschaftszeichnungen noch mal anzusteigen, gerade die Hintergründe bei den Rallyes sind in diesem Album sehr gelungen. Gar nicht zu sprechen von A19 oder A22, wo das Studio ganz tolle Arbeit abgeliefert hat.

    >> Sagen wir mal, Graton ist sehr gut darin, Maschinen zu zeichnen. Und im Gegenteil zu einem anderen Technikexperten, Albert Weinberg, kann er wenigstens auch Menschen und Gesichter.

    Der große Pferdezeichner war JG wohl nicht. Aber welcher Zeichner kann schon alles zeichnen? Man sehe sich nur mal die seltsam verwachsenen Kreaturen an, die bei Hermann als Frauen auftreten? :)

    Ich schätze, es ist extrem schwer, Pferde gut zu zeichnen. Wenn man sieht, wie Giraud oder Hermann das gemacht haben, davor kann man nur den Hut ziehen.

    >> Auf S. 22 finde ich die Größe von Warsons "Farm" etwas unglaubwürdig. Im Grunde genommen macht ihn dieser riesige Betrieb zu einem Großindustriellen. Das aber wiederum passt überhaupt nicht zu seiner sonstigen Lebensweise.

    Das dachte ich mir auch schon oft. Meines Erachtens muss man, wenn man ein internationaler Top-Pilot sein will, seine gesamte Energie in diese Karriere stecken, um mithalten zu können. Nebenher noch eine riesige Farm zu managen, dürfte da wohl kaum möglich sein. Da muss man sich Tag und Nacht drum kümmern.

    Ich glaube kaum, dass internationale Top-Fahrer während ihrer aktiven Zeit nebenher noch als Geschäftsmänner im großen Stil aktiv waren/sind. Wie sollte das funktionieren?

    Steve wollte seine Farm doch aufgeben. Erstaunlicherweise hat er sie in A65 dann immer noch...

    >> Auf S. 27 links oben finde ich die Frau im Mechanikerdress interessant. Eine Mechanikerin oder sogar Fahrerin?

    Schwer vorstellbar, dass da Frauen mitfuhren oder als Mechanikerinnen gearbeitet haben. Nach einem Grid-Girl sieht die Dame aber auch nicht aus. In der Tat mysteriös...

    >> Kommt es nur mir so vor, oder wirkt S. 29 irgendwie lieblos? Die Autos detailarm und wie unscharf, kaum Hintergründe, und auch, wie der Streckenplan zwischen die Bilder geklatscht wurde ... ob das eine Seite ist, die Graton aus Zeitgründen seinen Assistenten überlassen musste? (Schon die nächste Seite sieht wieder viel besser aus.)

    Assistenten hatte er damals eigentlich noch keine. Denayer kam ja erst ab Band 8. Für mich ist der ganze Band weniger sorgfältig gestaltet als Album 5, in das Graton ganz offensichtlich seine ganze Energie investiert hat. Ich hatte immer den Eindruck, dass er sich nach dieser immensen Kraftanstrengung bei Album 6 etwas zurückgelehnt und sich auf seine Routine verlassen hat. Für mich ist es unterm Strich das schwächste der klassischen Alben und bietet weder inhaltlich noch optische besondere Höhepunkte. Der ganze Zeichenstil wirkt vergröbert. Es ist kein schlechtes Album, aber es fehlt das gewisse Etwas.

    Das ist nicht mal ein Vorwurf an JG. Man darf nicht vergessen, dass er zwischen Januar 58 und Juni 61, also in nur 3 1/2 Jahren, fünf tolle Klassiker-Alben auf hohem Niveau präsentiert hat. Das sind über 300 Seiten in Personalunion als Zeichner und Texter - und das ohne Assistenten, wenn man von Francine absieht, die koloriert hat. Alles in allem dürfte das auf jeden Fall eine nahezu einmalige Arbeitsleistung sein. Wenn er da dann mal einen Gang runtergeschaltet hat, kann man ihm das nicht verübeln. Und mit A7 hat er dann gleich anschließend wieder ein Top-Album hingelegt. Von A8 und A9 ganz zu schweigen.

    >> S. 30: Ein bisschen gemein finde ich, wie die Amerikaner als unsportlich dargestellt werden (Fehlstart!).

    Weshalb die Amis bei Jean immer so mies wegkommen, müsste mal gesondert untersucht werden. Dauernd sind es großspurige, unsportliche Kotzbrocken, die unserem französischen Pfadfinder übel wollen. :)

    >> Wer sind eigentlich diese beiden attraktiven Damen auf den Seiten 36 bis 38? Sind das "Groupies"? Die Schwarzhaarige scheint ja auf mehreren Bildern im Hintergrund an der Bar etwas mit Mauro Bianchi am Laufen zu haben...

    Tja, man weiß es nicht. Auf jeden Fall scheint auch JG gemerkt zu haben, dass es unrealistisch ist, jahrelang junge Männer zu zeigen, die NUR Autos und Motoren und sonst nichts im Kopf haben. Allerdings entsprechen die Damen wieder dem typischen Schema "Standard-Schaufensterpuppe mit Perücke". Mit Pferden und Frauen tat sich Graton eindeutig schwerer als mit Männern und Boliden.

    >> Ein großes Lob an das Nachwort: Dass die "Carrera Panamericana" nach fünf Jahren eingestellt wurde und 1961 schon nicht mehr existierte, ist eine hochinteressante Information!

    Ja, unser Rennsportexperte Ben Neubauer weiß da Bescheid. Das ist immer sehr interessant, was er an Hintergrundinfos ausgräbt.

    >> Wow. Die französische Revolution des amerikanischen Automarkts. Genau das ist das Thema von "Warsons Verrat". Genau so hätte eine amerikanische Anzeige von VAILLANTE zur Zeit dieses sechsten Albums aussehen können.)

    Graton hatte da wohl wieder mal ein instinktives Gespür für angesagte Themen. Man denke nur, wie er mit dem Leader Jahre, bevor die asiatischen Marken auf den europäischen Markt drängten, diese Thematik aufgegriffen hat.

    >> S. 48, drittes Bild: Hier sagt Henri, der Transporter wartet in "Ciudad". Gemeint ist "Ciudad Juarez". Das Wort "Ciudad" heißt aber nichts anderes als "Stadt". Eigentlich müsste man also eher sagen, der Transporter wartet in "Juarez", oder?

    Tja, da bin ich auch überfragt. :)

    >> S. 50/1: sehr packende Startatmosphäre, schön viele Wagen.

    Jetzt zieht die Handlung ordentlich an, vor allem, wenn Steve dann auf Seite 57 endlich ordentlich aufs Gas tritt.

    >> (Übrigens sind sämtliche Landschaften auf der Rallye wieder überzeugend und rundum gelungen. Die S. 14 und 29 waren wirklich Ausnahmen. Wenn man jetzt zurückblättert, hat man den Eindruck, die S. 14 und 29 sind von einem ganz anderen Zeichner gestaltet worden als z. B. die S. 55. Möglicherweise arbeitete Graton auch mit unterschiedlichen Hintergrundassistenten?)

    Wie gesagt - Denayer kam erst bei Band 8, was man diesem deutlich ansieht, wie ich finde. Obwohl die Landschaftsgestaltungen bei der mexikanischen Rallye durchaus in Ordnung sind, wirken sie bei der Lüttich-Sofia-Lüttich doch noch viel detaillierter und einprägsamer. Für mich ist es offensichtlich, dass Graton hier kompetent unterstützt wurde - gerade auch bei der Gestaltung der Autos. Das wae ja Denayers Spezialgebiet.

    >> S. 63: Im Englischen nennt man eine solche Seite "overwritten" (Wenn das Bild-Textverhältnis stark vom Text dominiert wird.)

    Auf den letzten zwei Seiten mussten wohl auf Teufel komm raus alle wichtigen Hintergrundinfos vermittelt werden. Das sieht schon arg überladen aus - gerade wenn man bedenkt, dass sich Graton für die eigentlich nicht besonders wichtige Flugreise vorher vier Seiten Zeit genommen hat. Hätte er die auf zwei Seiten gekürzt und die zwei freien Seiten für das Finale reserviert, hätte er nicht so viel Dialog auf die letzten Seiten quetschen müssen. Aber es ist halt nicht so leicht, das so zu konzipieren, dass es passt.

    >> S. 64: das allerletzte Bild hält ja nochmal mehrere Schocks bereit. Erst wird in Windeseile die gesamte restliche Saison durchgehechelt, aber dann die Knüller: Cramer und Steve treten vom Rennsport zurück. Cramer tut mir beinahe leid. Bis hin zur 6. Etappe lag er auf der Panamericana in Führung und hat dadurch eigentlich bewiesen, dass er ein guter Fahrer ist. Außerdem hat er in diesem einen Band zweimal von Steve auf die Fresse bekommen. Kann das nicht als Strafe reichen?

    Strafe muss sein im Gratonschen Kosmos. :) Allerdings kriegt jeder Sünder die Möglichkeit, seine Taten zu bereuen. Siehe Cramer, Payntor, Pablo, Blancardo, Leader, Ruth... - alle standen irgendwann als reuige Sünder da und haben ihre Untaten bereut. Wer diesen Weg nicht ging, wurde à la Hawkins quasi mit dem Höllenfeuer bestraft und zum Pizzagesicht verunstaltet.

    >> Dass Steve für immer weg ist, glaubt natürlich kein Leser (bei Cramer glaubt man das eher). Es spricht aber sehr für die Epik von Gratons Gesamterzählung, dass Steve wirklich erst in Band 9 (also deutlich über 100 Seiten später) wieder auftauchen wird.

    Die Frage ist, ob Graton die Rückkehr von Steve schon bei Band 6 geplant hat - oder ob er damals wirklich vorhatte, ihn aus der Serie zu entfernen? In Album 7 wird er weder erwähnt noch von Michel vermisst. Vielleicht wollte JG Michel mit wechselnden Sidekicks wie Delamare oder Yves weitermachen lassen, hat dann aber eingesehen, dass Steve als Figur zu prägnant ist, um sie aus der Serie zu kicken.

    >> Insgesamt erneut ein ganz ausgezeichnetes Album mit vielen, vielen Schauplätzen, zwei interessanten Rennen und Überraschungen bis hin zum allerletzten Bild!

    Wie gesagt, ich würde sagen, es ist ein schönes, solides MV-Album, dem aber doch die Prägnanz von Alben wie A3, A4, A5, A7 oder A9 fehlt und das zeichnerisch etwas unter dem Niveau ist, das Graton mit den vorigen Alben vorgelegt hat. Ich hatte immer den Eindruck, dass JG nach A5 etwas ausgepowert war und einen Gang runtergeschaltet hat. Es gab dann ja auch keine aufwändigen Zeichnerwettbewerbe oder liebevoll gestaltete Ankündigungsseiten mehr. Für A7 hat er sich, um sich zu entlasten, einen anderen Szenaristen geholt, ab A8 kam dann Denayer, später folgten die anderen Assistenten. Kurz gesagt, es sieht so aus, als habe er die geradezu übermenschliche Arbeitsbelastung, der er seit ca. vier Jahren ausgesetzt war, ab A6 reduziert - zuerst, indem er ein Album mit etwa weniger Sorgfalt gestaltet hat, dann, indem er sich Hilfe bei der Gestaltung der Alben geholt hat. Das ist natürlich nur eine Hypothese.

    So, dies war's erst Mal von meiner Seite aus. Danke nochmal für Deine interssanten Anmerkungen!

    Grüße
    Bob

  • Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Hallo Tobias,

    so, diesmal habe ich mal wieder Zeit, etwas ausführlicher auf Deine Anmerkungen einzugehen. Für mich und den Rest des Redaktionsteams ist die Ära der besonders zeitaufwändigen Nachworte mit dem 13. Album ja erst Mal abgeschlossen, weshalb wieder mehr Zeit für andere vaillantologische Aktivitäten bleibt. Obwohl die Erstellung der Nachworte sehr spannend war, ist das Redaktionsteam froh, dass diese sehr, sehr arbeitsintensiven 2,5 Jahre jetzt zu Ende sind. In Zukunft gibt es wieder überschaubare 1seitige Vorworte.

    Zu Deinen Anmerkungen:

    >> "Die 13 ist am Start" ist bislang mein Lieblingsalbum in der Michel-Vaillant-Reihe.

    Ich schätze, es ist unterm Strich das populärste MV-Album - und überhaupt ein legendärer Klassiker der Comicgeschichte. In Sachen Atmosphäre und Erzählkunst absolut perfekt und zeitlos.

    >> Der Aufbau ist einfach perfekt.

    In der Tat. Es fällt wirklich auf, wie gut diese Geschichte konstruiert und erzählt ist. Da greift alles perfekt ineinander. Vielleicht hast Du ja mal meine Handlungsanalyse auf der Website gelesen:

    http://www.michel-vaillant.de/seiten/the...05_special.html

    Wenn man sich die Story genauer anschaut, erkennt man, wie gut durchdacht das alles ist. Ähnlich gut konstruiert ist eigentlich nur noch "A7 - Die Draufgänger", wo ja bekanntermaßen Duchateau das Szenario geliefert hat.

    >> Diese deutsche Albumausgabe fängt ja schon einmal grandios an, mit zwei Seiten, die es nicht einmal in Frankreich gibt (!). Für mich, der die alten Vaillant-Alben chronologisch durchgeht, ein kleiner Schock, plötzlich im Zeichenstil von 1973 zu sein, der ganz anders ist als der aus den späten 50ern. Die Bilder sehen irgendwie unscharf aus. Mussten sie vergrößert werden, weil sie ursprünglich ein kleineres Format hatten? Wenn man von Seite 3 auf Seite 4 umblättert, hat man das Gefühl, es würde einem ein Schleier vorm Gesicht weggezogen ...

    Das sind Scans aus alten ZACK-Heften - gerade weil es keinerlei Vorlagenmaterial mehr gibt, musste die Redaktion hier notgedrungen auf zweitklassiges Bildmaterial zurückgreifen. Das war leider nicht anders zu machen. Auch die Franzosen haben ja diese Seiten nicht mehr, weshalb Philipe besonders begeistert war, als wir sie ausgegraben haben. Eventuell liegen die Originalvorlagen noch irgendwo in einem Ordner des alten Koralle-Verlages in einem Hamburger Archiv... Gigi Spina hätte vielleicht näheres gewusst, aber den kann man keider nicht mehr fragen.

    >> Dann der eigentliche Beginn: ein ganz klarer Verweis auf die Le-Mans Katastrophe von 1955,

    Das ist eindeutig ein Verweis, genau. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich Graton immer wieder von der Realität inspirieren ließ, um spannende fiktive Geschichten zu erzählen. Ich habe mich oft gefragt, ob JG womöglich sogar Augenzeuge der Katastrophe gewesen ist. Leider ist dazu nirgendwo was zu lesen.

    >> Dann löst sich das als Traumsequenz auf, aber die alptraumhafte Wirkung bleibt bestehen.

    Das ist ein toller erzählerischer Kunstgriff. Traumsequenzen können leicht billig und aufgesetzt wirken. In diesem Fall hat die Sequenz eine wichtige Funktion, weil sie wie ein Alpdruck über dem gesamten Geschehen lastet und wir genau wissen, dass MV auf die eine oder andere Weise wirklich in Gefahr kommen wird. Man muss sich nur die Wirkung beim Erstabdruck vorstellen, als die Leser immerhin sieben Monate lang (!) auf die Auflösung der Geschichte warten mussten und so eine enorme Spannung aufgebaut wurde. Heute, wo man das Abum in einer Stunde lesen kann und die Auflösung kennt, kann man sich kaum noch vorstellen, was für eine Wirkung dieser kunstvolle Handlungsaufbau seinerzeit gehabt haben muss.

    >> Dann der Zeichenwettbewerb. Wirklich außergewöhnlich! Von einem so konsequenten Wettbewerb habe ich selten gehört.

    So etwas dürfte einmalig gewesen sein. Der Wettbewerb zeigt mal wieder, wieviel Zeit und Energie Graton in den Anfangsjahren der Serie investiert hat, um seine Serie zu pushen. Man darf ja nie vergessen, dass alle Tintin-Zeichner in einem scharfen Wettbewerb standen und es das Serien-Aus bedeuten konnte, wenn man im Leser-Ranking abfiel. Graton hat in den ersten Jahren alles getan, um sich in diesem Haifischbecken zu behaupten - deshalb gab es ja auch diese besonders schönen Ankündigungsseiten.

    >>(Ich habe mir mal den Spaß gemacht, die siegreichen Brüder Van der Stricht zu googeln: der eine ist Architekt geworden, und von dem zweiten findet man im Netz mehrere sehr schöne Automobilillustrationen ...)

    Ich habe auch mal nach den Brüdern gegoogelt. Das sind dann sicherlich die Van der Strichts vom Wettbewerb.

    >> Retardierendes Geplänkel mit Francoise.

    Sehr schön, wie sie als nervige Teenie-Reporterin eingeführt wird und MV Zunder gibt. Ich glaube nicht, dass Graton damals schon geplant hat, die beiden zu verbandeln. Interessanterweise dauerte es 13 Jahre bis zur Heirat - mal wieder ein Beispiel dafür, wie präsent die 13 im MV-Kosmos ist.

    >> Dieser ganz lange Atem erinnert mich jetzt doch wieder an das, was man heutzutage eine "Graphic Novel" nennt.

    Ja, das ist hervorragende Storytelling. Man mag ja heute über die etwas muffige Moral von damals lästern, aber eine Story wie diese muss ein heutiger Szenarist erst Mal hinbekommen.

    >> Bei "Nachtfahrt" fand ich das aufgrund der Unwahrscheinlichkeit einer Verbrecherjagd mit Formel-1-Prominenz-Beteiligung noch nicht so ganz gelungen. In "Die 13 ist am Start" geht dieses Konzept voll auf, denn alle Schuster bleiben jetzt bei ihren Leisten. Es geht um Rennsport, um sonst nichts. Genauer: Es geht ein ganzes langes Album lang um nur ein einziges Rennen. Das ist wirklich außergewöhnlich.

    Ja, da sind die Elemente perfekt ausbalanciert, das ist sicher der Grund für den großen Erfolg und die nachhaltige Wirkung des Albums. Und in der Tat hat sich Graton nie wieder derart ausgiebig mit einem einzigen Rennen beschäftigt. Schon als Zeitdokument hat das Album daher bleibenden Wert.

    Was "Nachtfahrt" betrifft, ist es sicherlich etwas unrealistisch, wenn zwei Grand-Prix-Asse plötzlich als Hobbydetektive auftreten. Aber die wunderschönen, atmosphätisch einmaligen Zeichnungen, die spannende Krimihandlung und die tollen, authentischen Einblicke ins damalige Trucker-Milieu machen das Album für mich zu einem echten Klassiker. Die ganze Geschichte zeugt von der Sorgfalt und Akkuratesse, mit der Graton damals gearbeitet hat.

    >> - Auf S. 38 sehen wir endlich Bob Cramer mal ohne Helm. Hallo Bob! (ich habe in diesem Forum ja schon ein paar Mails mit ihm gewechselt... ;-))

    Bob mit Cowboyhut ist schon der Bringer. :) Ich frage mich, ob vielleicht Randolph Scott die Vorlage für ihn abgab? Diese verwitterte Eisenbeißervisage erinnert doch stark an unseren Bob.

    >> - Auf S. 39 im vierten Bild sind die Corvettes zu sehen, die 1960 erstmals an Le Mans teilnahmen. Sie werden hier noch nicht namentlich genannt, das wird dann auf S. 44 im dritten Bild nachgeholt. Möglicherweise hat das recht gute Abschneiden dieser amerikanischen Wagen Graton überhaupt erst auf die Idee mit dem Cowboy-Team aus Texas gebracht.

    Gut möglich. Das müsste man mit unserem Rennsport-Experten Ben besprechen.

    >> Eine sehr schön bebilderte Dokumentation über die Corvettes in Le Mans 1960 findet sich übrigens auf Youtube unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=aGCGz6rAEts. Auch hier bekommen wir die Vorbereitungen, die Testfahrten, das "Dorf" und viele Anekdoten (Eis, das in Motoren geschaufelt wird!) zu sehen und zu hören. Wie ich finde, sehr gutes Begleitmaterial zu diesem Album.

    Guter Tip, danke, das werde ich mir reinziehen. Dafür wird sich auch Ben interessieren.

    >> - Anhand von S. 43 fiel mir zweierlei auf: Erstens gibt es nie "Vaillante"-Bandenwerbung, weil "Vaillante"-Bandenwerbung bedeuten würde, dass Jean Graton eine real existierende Bandenwerbung "überkleben" müsste, und das widerspricht wohl seinem dokumentarischen Anspruch. Zweitens hat er ein ähnliches Problem, indem er den Vaillantes einen Platz in der Boxengasse zuweist, denn diesen Platz hat in Wirklichkeit ja ein anderes Team inne. Das ist tatsächlich ein interessantes Handicap: Ein fiktives Team so in die Realität einfügen, dass niemand Bestimmtes dabei benachteiligt wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass Graton ziemlich viel darüber gegrübelt hat, wie er das von Saison zu Saison immer wieder neu gestalten kann.

    Über dieses Problem haben wir uns noch nie Gedanken gemacht. Ich werde auch dazu mal Ben befragen, was er dazu meint.

    >> - Eine ganz tolle Idee finde ich, die Strecke anhand einer Probefahrt vorzustellen, wie hier auf den Seiten 45 bis 47. Man vermisst zwar ein wenig den Streckenplan, aber der wird acht Seiten später nachgeliefert. Wenn das Rennen dann beginnt, hat man das Gefühl, mit der Streckenführung schon erstaunlich vertraut zu sein.

    JG liefert die Infos über die Strecke und das Rennen häppchenweise, sodass der Leser nicht mit Infos überflutet wird. Das ist hervorragend gemacht, und die Runde in Le Mans ist eine besonders schöne Sequenz, gerade auch, weil sie dem Leser nochmal Zeit zum Luftholen gibt, bevor der dramatische Endkampf losgeht.

    >> - Nochmal: Der lange Atem dieses Albums ist schlichtweg phänomenal. Auf S. 54 von 64 beginnt endlich das Rennen, über das wir auf den vorangegangenen 53 Seiten wirklich jedes erdenkliche Detail erfahren haben, bis hin zu den Nachtschichten der Mechaniker, den Tests, den neuen Wagenmodellen, den Probefahrten, den Journalisten, den Werksspionen, alles.

    Man ist wirlich bestens informiert, und weil man so gut informiert ist, packt einen das Rennen dann umso mehr. Der Leser hat tatsächlich das Gefühl, ihm real beizuwohnen.

    >> - Beim Streckenplan auf S. 55 finde ich die im Inneren der Strecke hochkant "versteckten" Infos über Flugpionier Wilbur Wright sehr interessant. Ein erster Hinweis darauf, dass Graton sich auch fürs Fliegen interessiert?

    Schwer zu sagen. Auf jeden Fall ein interessanter Hinweis von JG. Bei seinen Tintin-Vierseitern hat er sich ja auch gelegentlich mit Flugpionieren befasst, das Thema war ihm also geläufig.

    >> - Auf S. 59 fand ich witzig, wie langsam und entspannt Boxenstopps damals noch waren. Während der Wagen aufgetankt wird, trinkt der Fahrer in aller Ruhe neben seinem Wagen einen Kaffee...

    Ja, heute undenkbar. :)

    >> - Auf der letzten Seite tun sich psychologische Untiefen auf: Wenn Michel der Junge ist, der Francoise immer sein sollte, heiratet sie später sozusagen ihr ideales Alter Ego. Oder ihren nicht realen großen Bruder!

    Das ist tiefenpsychologisch äußerst bedenklich! An solche Implikationen haben Jean und Francine bei der Ausgestaltung dieser Beziehung wohl nicht gedacht. :)

    >> - Clever, die Zahlenspielerei von Joseph im allerletzten Bild. Hier auf der Webseite finden sich ja noch weitere verrückte "13"s...

    Ein schöne, wohl platzierte, gut ausgetüftelte Schlußpointe von Joseph.

    >> Der Filmempfehlung des Nachworts in Bezug auf "Die Abenteurer" kann ich mich voll und ganz anschließen. Ein wirklich außergewöhnlicher Film, packend und unvorhersehbar bis zum Schluss. Läuft manchmal auf Arte und gibt's auf DVD.

    Einer meiner Lieblingsfilme und perfekt von A-Z. Ventura und Delon spielen einfach großartitg - wo sind sie bloß hin, die Darsteller von solchem Format? Ganz zu schweigen von der unglaublich charmanten Joanna Shimkus. Der ganze Film reiht eine großartige Szene an die andere und wirkt dabei vollkommen unangestrengt und unintellektuell. Für solche Meisterwerke lieben wir einfach das klassische französische Kino. Zwei Jahre später kam in "Der Clan der Sizilianer" zu Lino und Alain sogar noch Jean Gabin dazu. Meines Wissens so ziemlich der einzige Film mit drei derart hoch besetzten, gleichrangigen Superstar-Hauptrollen. Aber jetzt sind wir weitab vom Thema... :)

    >>Abschließend von mir noch ein Literaturtipp: Die Schriftstellerin Christiane Neudecker hat in ihrem Kurzgeschichtenband "Das siamesische Klavier" eine tolle Short Story mit dem Titel "Der Erlkönigjäger". Hier geht es - in Entsprechung zu dem "amerikanischen Spion" in vorliegendem Vaillant-Band - um einen Fotografen, dessen Aufgabe es ist, Fotos von streng geheimen Automobilprototypen zu machen. Christiane Neudecker hat dann sogar noch einen ganzen Roman im Milieu der Automobilpräsentation angesiedelt,"Boxenstopp". Ihre Faszination für das Thema ist also tiefreichend, und sie geht sehr kompetent und stilistisch herausragend damit um. Ganz klare Empfehlung!

    Ah, danke für den Tip. Bei Gelegenheit besorge ich mir das Buch mal.

    Danke noch Mal für Deine vielen treffenden Anmerkungen!

    Gruß
    Bob

  • Aufbewahrung der SchätzeDatum05.01.2015 21:18
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Also was mich betrifft: Die Alben werden in Plastikhüllen aufbewahrt und stehen in Stehordnern.

  • Michel Vaillant Öl auf der Piste LPDatum05.01.2015 21:16
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Ah, nicht schlecht. Damit ist dieses Kleinod deutscher Hörspielkunst endlich allen zugänglich!

  • La lettre de Michel VaillantDatum02.11.2014 15:08
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Werde mich demnächst dransetzen, ist versprochen! :)

  • La lettre de Michel VaillantDatum02.11.2014 13:15
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Ich bin noch nicht zum Scannen gekommen. Aber es eilt ja eh nicht, denke ich...

  • DIE LABOURSDatum20.10.2014 11:35
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Das Problem bei den Labours ist halt, dass bei Ihnen die "spießigen" gratonschen Familienszenen zum Mittelpunkt der Handlung werden, während sie bei MV nur dazu dienten, Abwechslung ins Renngeschehen zu bringen und dem Hauptcharakter eine soziale Verankerung zu geben. Die Serie passt nicht in das gängige frankobelgische Schema und ist wohl eher für Historiker interessant, die sich für den Zeitgeist der Entstehungszeit interessieren. Sie ist eine "Frauen"serie (erschienen in einer Frauenzeitschrift) und unterscheidet sich insofern deutlich von anderen frankobelgischen Comics, die sich an vorpubertäre Jungs richteten.

    Als Käufer der Serie kämen wohl nur absolute Hardcore-Fans von Jean Graton in Frage. Ich schätze, das Auflagenpotential liegt vielleicht bei einem Drittel der Vaillant-Alben.

  • IM NAMEN DES SOHNESDatum20.10.2014 11:34
    Foren-Beitrag von BobCramer im Thema

    Figurenzeichner ist Marc Bourgne, den ich noch vom "Roten Korsaren" kenne. So richtig überzeugend waren seine Figurendarstellungen schon damals nicht. Lebendige Menschen zu zeichnen, ist sicherlich die größte Herausforderung für einen Comiczeichner und braucht eine spezielle Begabung. Man denke nur an jemanden wie Jean Giraud, der Menschen mit unglaublicher Prägnanz und Lebendigkeit darstellen konnte.

    Bei Jean Graton sahen die Figuren gern etwas steif und statuarisch aus, aber sie waren souverän und anatomisch korrekt gezeichnet, vor allem während der klassischen MV-Phase in den 60er Jahren. Von dieser Souveränität ist im neuen MV kaum etwas zu sehen.

Inhalte des Mitglieds BobCramer
Beiträge: 196
Geschlecht: männlich
Seite 1 von 10 « Seite 1 2 3 4 5 6 10 Seite »
Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor