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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Alles rund um Michel Vaillant
Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

26.02.2016 18:07
Das siebte Album: "Die Draufgänger" antworten

Viel ist dem hervorragend recherchierten und dadurch tiefschürfenden (siehe die Vergänglichkeitsdiskussion) Nachwort eigentlich gar nicht hinzufügen.
Mir gefällt das Album ausgezeichnet, es ist ruhiger nach der sich beinahe schon überstürzenden Dramatik von Band 6, es zeigt Michel abseits der Rennstrecken im Film- und akribisch beschriebenen Stuntmangewerbe, bietet ihm trotzdem Gelegenheit, durch gezieltes Schleudern, Rammen und Kippen seine fahrerische Klasse unter Beweis zu stellen, es zeigt Prototypentests unter Geheimhaltung, es erweitert die Vaillant-Familie um Nachwuchs, enthält einen Duchateau-typischen Schurken/Schmutzkampagnen-Plot mit Autoverfolgungsjagd und dramatischer "Bergrettung", und bietet ganz nebenbei noch einen Blick auf die Grand Prix von Brüssel und Reims. Ich staune immer wieder, wie viel sich auf 64 Seiten verstauen lässt.
Während der Lektüre sind mir noch einige Details aufgefallen:
- S. 4: Hier ist im ersten Bild eine Büste hinter Michel zu sehen. Da es sich wohl nicht um Napoleon handelt, ist es wahrscheinlich ein Vorfahre der Vaillants, der sich z. B. im deutsch-französischen Krieg von 1870/1 hervorgetan hat.
- Auf S. 7 befinden wir uns im wohlvertrauten Duchateau-Terrain: Der Finstermann, dessen Antlitz durch ein Mobiliar verdeckt wird. Duchateaus Reporter/Detektiv Ric Hochet/Rick Master stand 1962 noch sehr am Beginn seiner langen Karriere, er ist erst ein Jahr vorher mit 30seitigen "Kurzgeschichten" in Tintin gestartet, während Michel Vaillant immerhin schon sechs epische Alben auf dem Buckel hat.
- S. 10 im drittletzten Bild: So etwas nennt man heutzutage Product Placement. Es ist in einer detaillierten Rennfahrerserie natürlich ohnehin nicht anders zu machen, als dass permanent Markennamen im Bild sind. Witzig aber, wenn es sich, wie hier, abseits des Rennzirkus um Cognac, oder wie auf S. 29 um Jean-Pierres Zigarettenmarke handelt.
- Um Michels Dreharbeiten filmhistorisch einordnen zu können, hier ein paar französische Filme aus dem Jahre 1962, die auch heute noch in bester Erinnerung sind: das formidable Belmondo-Vehikel "Cartouche"; "Der Teufel mit der weißen Weste", ein exzellenter Krimi von Jean-Pierre Melville; "Jules et Jim" von Truffaut; der Kinderfilmklassiker "Krieg der Knöpfe" - und richtig experimentell wurde es in diesem Jahr auch bereits, denn Chris Marker drehte (in Standbildern) seinen Science-Fiction-Klassiker "La Jetée", der Jahrzehnte später als "12 Monkeys" zu Neuverfilmungsehren kam. Man könnte also in Anspielung auf das Product Placement von S. 10 durchaus behaupten: ein guter Jahrgang!
- Auf S. 20 ist der Paparazzi-Fotograf (oder Teile von ihm) in den Bildern 1, 2 und 4 zu sehen, und in Bild 4 ganz rechts erkennen wir ... es ist Steve Warson! (Kleiner Scherz. Aber er sieht ihm ähnlich.)
Im sechsten Bild dieser Seite finde ich die Trophäe bemerkenswert, die der Silhouette eines Fahrers am Lenkrad nachempfunden ist. Möglicherweise könnte ein französischer Rennsportgeschichtsenthusiast sogar wissen, um welchen Preis es sich dabei handelt.
- Die von Alain "geschmissene" Szene auf den S. 25 und 26 ist deshalb ärgerlich, weil mehrmals ohne Schnitt hätte gedreht werden können, wie er aus der Kurve kommt und anhält. Ganz ohne Michel als Double zu benötigen. Aber da Alain zu dämlich war anzuhalten, muss dann doch gedoubelt werden.
(Zum Namen "Alain" noch eine Bemerkung: Die Konkurrenz-Rennfahrerserie "Rolf Thomsen", über die Graton sich im Nachwort beschwert, heißt im französischen Original "Alain Chevallier". Duchateau hat ihm also nicht nur den Assi und das Sujet "gemopst", sondern auch den Vornamen seines Rennfahrerdarstellers... Und da "Chevalier", der Ritter, nicht weit weg ist von "Vaillant", dem Beherzten und Tüchtigen, sogar auch noch so ungefähr den Nachnamen.)  
-S. 28: Hier hängt im ersten Bild eine gigantische Tricolore im Arc de Triomphe. Ich glaube, das ist nur anlässlich des Nationalfeiertags (14. Juli) der Fall, möglicherweise aber auch zu anderen militärischen Gedenktagen. Jedenfalls ist es eher selten.
Die Falle, die auf dieser Seite für Michel ausgetüftelt wurde, ist ganz schön clever. "Normale" Autofahrer hätten wahrscheinlich eine Vollbremsung gemacht, ein kollisionsgeschulter Rennfahrer jedoch weicht aus und gibt Gas. Dadurch kann man Michel sogar noch wegen innerstädtischer Geschwindigkeitsübertretung drankriegen!
(Die Lobhudelei auf den Pariser Autofahrer jedoch unten in der Mitte ist in ihrer Ranschmeißerei an die Leser ein wenig peinlich.)
- S. 32: Dass Bianchi und Rix wieder mit dabei sind, verbindet dieses Album exzellent mit den vorherigen, und bestätigt den Eindruck einer nicht nur aus Blutsbanden bestehenden Familien-Geschichte.
- S. 33: Das Rennen findet offensichtlich auf einer ganz normalen, ausgeschilderten Straße statt.
Ein lohnender neunminütiger Film mit Rennszenen des Brüsseler Heysel-Grand Prix aus den Jahren 1960 bis 1962 findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=ofcPr4Yn12U
In französischer Sprache, aber die Namen "Stirling Moss" und "Jack Brabham" brauchen keinen Dolmetscher. Unter anderem gibt es einen absurden Unfall zu sehen, wo ein Geschleuderter dermaßen rücksichtslos ins Rennen zurückkehrt, dass er einem an ihm Vorbeifahrenden den Wagen komplett demoliert. Das würde heute einen Skandal geben, damals war das wohl normal. 
- Die minutiöse Vorbereitung der Stunts auf den Seiten 37 bis 45 ist wirklich erstaunlich. Im Grunde genommen muss Graton (vielleicht mit Hilfe von Delamare) die geeigneten Kreuzungen in den kleinen Ortschaften selbst ausfindig gemacht und fotografiert haben, um später alles so detailgetreu wie möglich abbilden zu können. Der Comicautor/-zeichner arbeitet hier genau wie ein Detektiv oder Journalist, also eigentlich wie ... Rick Master.
- Auf S. 48 ist im ersten Bild der Schriftzug über dem Tor abhanden gekommen, der witzigerweise jedoch auf der letzten Seite des Nachworts im selben Bild deutlich zu sehen ist.
- S. 53, 6. Bild: Da ist ja Gratons Lieblingscognacmarke wieder.
- S. 54: Witzig, dass Michel und sein Gegner hier die Wette austragen, zu der es in Album 4 nicht gekommen ist. Vielleicht hatte der ein oder andere Leser dies schade gefunden, und Graton stellt nun auch diese zufrieden.
- Auf S. 55 scheint Michel tatsächlich bereit, seinen Gegner sterben zu lassen. Es ist Gil, der ihm ins Gewissen redet.
- S. 59, 1. Bild: Ah, inzwischen wurde der Schriftzug "restauriert" ... ;-)
Ebenfalls auf dieser Seite: der Deutsche kommt gut weg bei Graton und hat mit den Bösewichten nichts zu schaffen. Vielleicht mit Hinblick auf den deutschen Absatzmarkt wird er wohl bald einen Vaillante fahren. Ob Graton jemals erfahren hat, dass sehr viele Deutsche ohnehin in ihren Wohnungen und Häusern Heiztechnik der (deutschen) Firma "Vaillant" verwenden?
- Auf S. 61 unten leuchtet mir der Ablauf der Ereignisse nicht ein. Erst wird der Bolide geborgen, dann der Laster aufgerichtet? Wie wollen sie denn den Rennwagen aus dem liegendem Lastwagen holen? Indem sie ihn auf der Seite schleifen? Auch innerhalb der Filmhandlung wäre es doch viel sinnvoller, zuerst den Lastwagen über einen Abschleppkran aufzurichten, damit der rote Bolide dann über eine Rampe ganz normal rausgefahren werden kann.
S. 62, letztes Bild: Die beiden verdutzten Reporter (der Blonde und der Linke mit der Schiebermütze) sehen aufgrund ihrer Augenpartien aus wie ligne claire-Figuren von Hergé oder Jacobs. Das sieht man eigentlich sonst nur in Mangas, dass realistische Figuren in Extremsituationen in einen verzerrenderen Stil wechseln. 
Interessantes Ende auf S. 63: Wie das Rennen ausgeht, wird offen gelassen. Ein geschickter Schachzug von Graton: Wer seinen Michel immer siegen sehen will, kann sich das einfach hochrechnen, wem die Dauersiegerei aber zuviel wird, kann sich selbst ausdenken, dass es doch noch einen Motorschaden geben wird.

Ich habe mir übrigens anlässlich dieses Albums noch einmal "Fanfan der Husar" angesehen, um nach Gil Delamare als Schauspieler Ausschau zu halten, aber ich fand es schwer, ihn einwandfrei zu identifizieren, zumal er 1952 zehn Jahre jünger war als während seines Gastspiels bei Vaillant. Sein Name steht unter den Kleindarstellern im Vorspann, aber im Film kann er eigentlich nur in der Anfangssequenz - der sarkastischen Kriegsmontage - zu sehen sein, und ich vermute, er ist der mittlere (und heroischste) der Soldaten, die mit in Fetzen geschossenen Uniformen auf die Kamera zumarschieren. Ansonsten bietet der Film reichlich Stunts (hier unter anderem mit einer Kutsche anstatt mit Autos), und womöglich war er auch dort beteiligt.

viele Grüße an alle Leser
Tobias 

BobCramer Offline



Beiträge: 191

29.02.2016 16:53
#2 RE: Das siebte Album: "Draufgänger" antworten

Hallo Tobias,

>Ich staune immer wieder, wie viel sich auf 64 Seiten verstauen lässt

das ist in der Tat das MV-Album mit der größten Handlungsdichte und letzten Endes wohl auch das mit dem besten Szenario. Duchateau war damals wirklich in Hochform und hat es wunderbar hingekriegt, die drei zentralen Handlungsstränge (Stunts / Testfahren / Intrige) miteinander zu verbinden und dazu noch schöne Soap Opera-Elemente einzufügen. Mir hat dieses Album eigentlich immer am besten gefallen, schon damals, als die Story in der dicken ZACK-Box erschienen ist. Die atmosphärische Dichte, der ausgefeilte Plot, die coolen Stunts, die schönen nostalgischen Autos, die tollen Schauplätze inklusive Atomium... das ist eine rundum perfekte Arbeit. Vor allem gelingt es Graton/Duchateau hier, die Rennszenen absolut organisch in eine spannende Handlung einzubetten, alles ist plausibel aufeinander bezogen. Bei späteren MV-Alben ist es ja doch oft so, dass die Rennszenen und die anderen Story-Elemente eigentlich wenig miteinander zu tun haben und nebeneinander herlaufen.

>- S. 4: Hier ist im ersten Bild eine Büste hinter Michel zu sehen. Da es sich wohl nicht um Napoleon handelt, ist es wahrscheinlich ein Vorfahre der Vaillants, der sich z. B. im deutsch-französischen Krieg von 1870/1 hervorgetan hat.

Man weiß es nicht und wird es nie erfahren. :) Auf jeden Fall eine schöne Büste! Die Innenausstattung der vaillantschen Wohnungen und Häuser ist sowieso faszinierend. Da müsste man mal ein Special dazu machen. In A5 ist während der Diskussion um Madames Alptraum z.B. mehrfach ein Kruzifix an der Wand zu sehen, so als habe Graton hier vorsichtshalber für göttlichen Beistand für MV sorgen wollen.

> - S. 10 im drittletzten Bild: So etwas nennt man heutzutage Product Placement. Es ist in einer detaillierten Rennfahrerserie natürlich ohnehin nicht anders zu machen, als dass permanent Markennamen im Bild sind. Witzig aber, wenn es sich, wie hier, abseits des Rennzirkus um Cognac, oder wie auf S. 29 um Jean-Pierres Zigarettenmarke handelt.

Ich schätze, in späteren Jahren hätte sich der Meister Graton für solche Product Placements bezahlen lassen. :) Damals aber hat er die Sachen noch in aller Unschuld in der Story untergebracht.

> Man könnte also in Anspielung auf das Product Placement von S. 10 durchaus behaupten: ein guter Jahrgang!

Das französische Kino dieser Zeit war großartig. Unterm Strich war Frankreich damals wohl die Filmnation Nr. 1. Es gab eine Unzahl großartiger Filme, Schauspieler, Regisseure, und mit der Nouvelle Vague hatte Frankreich die wichtigste filmästhetische Innovation der Nachkriegszeit hervorgebracht. Vor allem das Star-Portfolio des Landes war damals unschlagbar, von den alten Brummbären der Sorte Gabin/Vanel über die mittlere Star-Generation der Sorte Ventura/Montand/Piccoli/Marais bis hin zu den jungen Wilden á la Belmondo/Delon war da alles dabei, dazu noch Komiker der Sonderklasse wie de Funès/Bourvil/Fernandel/Tati... lange ist's her. Heute gibt es ja kaum noch einen französischen Schauspieler, der über das Land hinaus bekannt ist.

> S. 28: Hier hängt im ersten Bild eine gigantische Tricolore im Arc de Triomphe. Ich glaube, das ist nur anlässlich des Nationalfeiertags (14. Juli) der Fall, möglicherweise aber auch zu anderen militärischen Gedenktagen. Jedenfalls ist es eher selten.

Interessant. Das Detail war mir noch nicht aufgefallen. Die entsprechende Seite müsste Mitte/Ende Mai erschienen sein, also lange vor dem 14. Juli. Vielleicht hat JG die Fahne einfach eingefügt, weil der Arc so besonders dekorativ aussah.

Ich habe schon mehrfach versucht, auf Google Earth die beiden Pfeiler mit den Pferden zu finden, war bislang aber glücklos. Die wurden doch bestimmt nicht plattgemacht, sondern stehen immer noch da rum. Aber wo???

Interessant auch, dass MV hier einen weiteren Vaillante überholt, einen Concorde. Ich glaube, das ist die einzige Straßenszene im MV-Kosmos überhaupt, in der ein weiterer Vaillante-PKW auftaucht.

Ich ging außerdem immer davon aus, dass JG wegen der vielen, vielen Autos, die in diesem Album zu zeichnen waren, hier schon einen Assistenten hatte. Aber laut allen Infos und Aussagen ist Denayer erst im nächsten Album als Wagenzeichner eingestiegen.

> - S. 33: Das Rennen findet offensichtlich auf einer ganz normalen, ausgeschilderten Straße statt.

Ja, das ist der alte Heysel-Kurs, das sind ganz normale Straßen. Das kleine Häuschen, vor dem MV schleudert, steht immer noch da. JG wollte sich auf jeden Fall nicht die - zweite und letzte - Gelegenheit entgehen lassen, ein F1-Rennen in seiner Heimstadt Brüssel zu inszenieren (zumindest gehe ich davon aus, dass er in/um Brüssel wohnte; das galt meines Erachtens für alle "Tintin"-Zeichner). Das gab's nur anno 61 und 62. Ist auch das letzte Mal, dass das Atomium bei MV zu sehen ist. Brüssel spielt als Handlungsort dann sowieso erst Mal keine Rolle mehr und war erst wieder 1974 in A25 zu sehen.

Danke für den Hinweis auf das YT-Video!

> Auf S. 48 ist im ersten Bild der Schriftzug über dem Tor abhanden gekommen, der witzigerweise jedoch auf der letzten Seite des Nachworts im selben Bild deutlich zu sehen ist.

Ja, ist seltsam, hab mich auch schon gefragt, warum das so ist. In meiner alten ZACK-Box fehlt der auch, im Carlsen-Album und im Original dann bestimmt ebenfalls.

> S. 54: Witzig, dass Michel und sein Gegner hier die Wette austragen, zu der es in Album 4 nicht gekommen ist. Vielleicht hatte der ein oder andere Leser dies schade gefunden, und Graton stellt nun auch diese zufrieden.

Könnte man so sehen, ja. Auf jeden Fall fährt Blancardo jetzt nicht mehr den Jaguar XK 150 aus A4. Der von MV zugeparkte Flitzer ist doch wohl ein Triumph TR4. Damals im übrigen ganz neu, wie fast immer, wenn Graton schicke Flitzer zeigt. Der schöne Porsche ist allerdings wohl schon etwas älter, das müsste der 356 B von 1959 sein.

> Auf S. 55 scheint Michel tatsächlich bereit, seinen Gegner sterben zu lassen. Es ist Gil, der ihm ins Gewissen redet.

Allerdings undenkbar im katholischen "Tintin", dass einer der Pfadfinder-Helden sich soweit daneben benimmt. :) MV hätte bestimmt selbst noch - moralisch - die Kurve gekriegt.

>Ob Graton jemals erfahren hat, dass sehr viele Deutsche ohnehin in ihren Wohnungen und Häusern Heiztechnik der (deutschen) Firma "Vaillant" verwenden?

Das hätte ich ihn gerne in dem großen Werk-Interview fragen können, das leider nie mehr zustande kommen wird! :)

> - Auf S. 61 unten leuchtet mir der Ablauf der Ereignisse nicht ein. Erst wird der Bolide geborgen, dann der Laster aufgerichtet?

Stimmt... das müsste eigentlich andersrum sein. Da ist der Ablauf nicht korrekt. Am besten die Seite einscannen, den Text ändern, die neue Seite ausdrucken und die Ursprungsseite vorsichtig überkleben. Dann hat alles seine Richtigkeit. :)

> Interessantes Ende auf S. 63: Wie das Rennen ausgeht, wird offen gelassen. Ein geschickter Schachzug von Graton: Wer seinen Michel immer siegen sehen will, kann sich das einfach hochrechnen, wem die Dauersiegerei aber zuviel wird, kann sich selbst ausdenken, dass es doch noch einen Motorschaden geben wird.

JG ist wohl auch aufgefallen, dass die ständige Siegerei etwas unrealistisch ist. In A12 lässt er das Rennergebnis dann ja auch wieder offen. In A13 wird aber wieder gesiegt, auch wenn das Rennen selbst nicht gezeigt wird.

> Ich habe mir übrigens anlässlich dieses Albums noch einmal "Fanfan der Husar" angesehen, um nach Gil Delamare als Schauspieler Ausschau zu halten, aber ich fand es schwer, ihn einwandfrei zu identifizieren

Ich hatte schon versucht, ihn in "Der längste Tag" zu entdecken. Er müsste ein Mitglied des französischen Kommandos sein, das das Casino einnimmt. Aber ich habe ihn leider nicht identifizieren können. Als Schauspieler hat er wohl nur bessere Statistenrollen gespielt, seine Domäne waren die Stunts. "Fanfan" müsste ich mir Delamare-mäßig auch mal zur Brust nehmen.

Noch etwas interessantes in Bezug auf A7. Die Charlie-Hebdo-Attentäter müssen nach meinen Recherchen bei ihrer Flucht im letzten Jahr genau die Kurve der N2 passiert haben, in der der grüne LKW umgekippt ist (nördlich von Vauciennes). Sie wurden ja von Spezialkommandos in Villers-Cottêres und in Crépy-en-Valoises gesucht, also in den Nachbarorten von Vauciennes. In Montagny-Sainte-Félicité, südwestlich direkt an der N2 gelegen, haben sie ein Auto gekapert und sind dann wieder zurück nach Paris gefahren. Nach menschlichen Ermessen müssten sie auf jeden Fall die Kurve an der alten Brasserie passiert haben, bevor sie nach Villers-Cottêres kamen. Ein irgendwie bedrückender Gedanke...

Danke nochmal für Deine interessanten Anmerkungen!

Gruß
Bob

Gast
Beiträge:

01.03.2016 13:31
#3 RE: Das siebte Album: "Draufgänger" antworten

Hallo Bob,

du hast ja noch mehr Infos auf Lager!

Ich finde das sehr interessant mit den Attentätern. Da "Michel Vaillant" eine erstaunlich detaillierte Schilderung Frankreichs von den später 50ern bis heute ist, sind Überschneidungen mit den Schauplätzen der Wirklichkeit kein Zufall, sondern zeigen nur, wie viele Gegenden des Landes Jean Graton uns Lesern vermittelt hat.

Übrigens sehe ich den Zustand des französischen Kinos nicht ganz so schwarz wie du. Sie haben immer noch charismatische Stars wie Vincent Cassel, Marion Cotillard, Louise Bourgoin, sie bringen internationale Erfolgsfilme wie die "Sch'tis" oder "Ziemlich beste Freunde" hervor - und Depardieu und Huppert sind auch immer noch eine Klasse für sich, wie sich gerade dieses Jahr wieder gezeigt hat. Aber natürlich waren die 60er unbestreitbar ein goldenes Zeitalter.

Grüße
Tobias

P.S.: Ich habe blöderweise in der Titelzeile den Namen des Albums falsch angegeben, es heißt ja "Die Draufgänger", nicht einfach nur "Draufgänger". Ich konnte das nach "Beitrag speichern" nicht mehr ändern. Kannst du als "Webmaster" das eventuell richtigstellen?

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

03.03.2016 11:18
#4 RE: Das siebte Album: "Die Draufgänger" antworten

Dankeschön, jetzt stimmt der Titel!

Grüße
Tobias

BobCramer Offline



Beiträge: 191

03.03.2016 12:35
#5 RE: Das siebte Album: "Draufgänger" antworten

Hallo Tobias,

Gratons Vor-Ort-Recherchen machten die Serie immer besonders authentisch und haben dafür gesorgt, dass man sie heute auch als interessantes Zeitdokument sehen kann. Ich glaube, kaum ein anderer Zeichner hat so intensiv vor Ort recherchiert wie JG. Man sieht den Geschichten auch an, dass Graton mit den Schauplätzen wirklich erstklassig vertraut war - man denke da nur an Burg Abenberg/Königsfeld oder den Le Mans-Kurs. Wer nicht vor Ort war und die Atmosphäre geschnuppert hat, der kann das kaum in dieser Weise darstellen.

Das französische Kino hat natürlich auch heute noch Stars, aber die goldene Ära, das waren wirklich die 50er/60er, vielleicht noch die frühen 70er Jahre. Das war auch die Zeit, als es noch "das alte Frankreich" gab, über das wir mal in den Nachworten geschrieben haben und zu dem auch der klassische MV-Kanon gehört. Plus natürlich die bekannten Schauspieler, die Chansons, die legendären Autos und und...

Den Titel des Threads habe ich geändert.

Gruß
Bob

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