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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Alles rund um Michel Vaillant
Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

06.01.2015 18:58
Das fünfte Album: "Die 13 ist am Start" antworten

Liebe Michel-Vaillant-Leser,

"Die 13 ist am Start" ist bislang mein Lieblingsalbum in der Michel-Vaillant-Reihe.
Der Aufbau ist einfach perfekt.

Diese deutsche Albumausgabe fängt ja schon einmal grandios an, mit zwei Seiten, die es nicht einmal in Frankreich gibt (!). Für mich, der die alten Vaillant-Alben chronologisch durchgeht, ein kleiner Schock, plötzlich im Zeichenstil von 1973 zu sein, der ganz anders ist als der aus den späten 50ern. Die Bilder sehen irgendwie unscharf aus. Mussten sie vergrößert werden, weil sie ursprünglich ein kleineres Format hatten? Wenn man von Seite 3 auf Seite 4 umblättert, hat man das Gefühl, es würde einem ein Schleier vorm Gesicht weggezogen ...
Dann der eigentliche Beginn: ein ganz klarer Verweis auf die Le-Mans Katastrophe von 1955, ebenfalls eingangs der Zuschauertribünengeraden, nur dass hier der Wagen nicht abhebt, sondern nur den Fahrer unter sich begräbt. Dieser Fahrer ist Michel Vaillant, und Michel Vaillant stirbt. Wie ein Stellvertreter, ein Sühneopfer für die 84 Toten, die es wirklich gab.
Das ist außergewöhnlich schockierend und gewagt.
Dann löst sich das als Traumsequenz auf, aber die alptraumhafte Wirkung bleibt bestehen.
(Niedlich auf Seite 6: Wie Michel in seinem Kinderzimmer schläft, mit Teddybär und Autowimpeln. Er ist ja wirklich noch ein kleiner Junge, und all seine Übernachtungen mit Steve Warson rücken dadurch wieder in ein "harmloses" Licht zurück.)
Dann der Zeichenwettbewerb. Wirklich außergewöhnlich! Von einem so konsequenten Wettbewerb habe ich selten gehört. Nicht nur, dass die Siegerentwürfe in dem Comic als Entwürfe präsentiert werden, nein, die umgesetzten Wagen werden dann auch das ganze Album über gefahren. Und es geht sogar noch eine Ebene weiter: Auf S. 24 appelliert Michel an Frankreichs Konstrukteure, die jungen Talente zu beachten. (Ich habe mir mal den Spaß gemacht, die siegreichen Brüder Van der Stricht zu googeln: der eine ist Architekt geworden, und von dem zweiten findet man im Netz mehrere sehr schöne Automobilillustrationen ...)
Ich finde den gesamten Aufbau dieses Albums wahnsinnig spannend.
Traumsequenz als Menetekel eines drohenden Verhängnisses. Vorbereitungen. Design. Retardierendes Geplänkel mit Francoise. Dann auf den S. 16 - 18: weltweite Vorbereitungen, die Konkurrenten werden gezeigt, der geheimnisvolle texanische Hauptgegner. Dann kommen sage und schreibe 11 volle Seiten Journalismus und Testfahrten. Sowohl langsam, ausführlich, als auch Spannung aufbauend. (Man ist als Leser auf den Seiten 19 - 24 ja genauso auf den Vaillante Le Mans gespannt wie die versammelte Journaille.) Dann wieder Geplänkel mit Francoise. Dann, genau zur Mitte des Albums, werden die Vaillante-Fahrer vorgestellt. Erst in der zweiten Hälfte bewegen wir uns jetzt Richtung Le-Mans-Rennstrecke, aber es vergehen nochmals zwanzig Seiten, bis das Rennen tatsächlich losgeht. Dieser ganz lange Atem erinnert mich jetzt doch wieder an das, was man heutzutage eine "Graphic Novel" nennt. Bei "Nachtfahrt" fand ich das aufgrund der Unwahrscheinlichkeit einer Verbrecherjagd mit Formel-1-Prominenz-Beteiligung noch nicht so ganz gelungen. In "Die 13 ist am Start" geht dieses Konzept voll auf, denn alle Schuster bleiben jetzt bei ihren Leisten. Es geht um Rennsport, um sonst nichts. Genauer: Es geht ein ganzes langes Album lang um nur ein einziges Rennen. Das ist wirklich außergewöhnlich.

Noch ein paar Details:
- Auf S. 23 musste ich schmunzeln über das allererste Bild. Ein Autorasercomic mit zwei ganz gemächlichen Radfahrern.
- Auf den Seiten 26 und 28 wird wieder Stirling Moss erwähnt. Und lustig, dass Michel auf S. 28 tatsächlich mal gemogelt hat. Der Übermut eines kleinen Jungen halt.
- Die Bäume im letzten Bild von S. 33 finde ich sehr schön dargestellt.
- Im ersten Bild der S. 36 staunte ich über den Zuschauer ganz vorne links. Fährt ihm das Auto nicht über die Zehen?
- Auf S. 38 sehen wir endlich Bob Cramer mal ohne Helm. Hallo Bob! (ich habe in diesem Forum ja schon ein paar Mails mit ihm gewechselt... ;-))
- Auf S. 39 im vierten Bild sind die Corvettes zu sehen, die 1960 erstmals an Le Mans teilnahmen. Sie werden hier noch nicht namentlich genannt, das wird dann auf S. 44 im dritten Bild nachgeholt. Möglicherweise hat das recht gute Abschneiden dieser amerikanischen Wagen Graton überhaupt erst auf die Idee mit dem Cowboy-Team aus Texas gebracht.
Eine sehr schön bebilderte Dokumentation über die Corvettes in Le Mans 1960 findet sich übrigens auf Youtube unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=aGCGz6rAEts. Auch hier bekommen wir die Vorbereitungen, die Testfahrten, das "Dorf" und viele Anekdoten (Eis, das in Motoren geschaufelt wird!) zu sehen und zu hören. Wie ich finde, sehr gutes Begleitmaterial zu diesem Album.
- Anhand von S. 43 fiel mir zweierlei auf: Erstens gibt es nie "Vaillante"-Bandenwerbung, weil "Vaillante"-Bandenwerbung bedeuten würde, dass Jean Graton eine real existierende Bandenwerbung "überkleben" müsste, und das widerspricht wohl seinem dokumentarischen Anspruch. Zweitens hat er ein ähnliches Problem, indem er den Vaillantes einen Platz in der Boxengasse zuweist, denn diesen Platz hat in Wirklichkeit ja ein anderes Team inne. Das ist tatsächlich ein interessantes Handicap: Ein fiktives Team so in die Realität einfügen, dass niemand Bestimmtes dabei benachteiligt wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass Graton ziemlich viel darüber gegrübelt hat, wie er das von Saison zu Saison immer wieder neu gestalten kann.
- Eine ganz tolle Idee finde ich, die Strecke anhand einer Probefahrt vorzustellen, wie hier auf den Seiten 45 bis 47. Man vermisst zwar ein wenig den Streckenplan, aber der wird acht Seiten später nachgeliefert. Wenn das Rennen dann beginnt, hat man das Gefühl, mit der Streckenführung schon erstaunlich vertraut zu sein.
- Witzig: Auf S. 52 im 5. Bild sieht man die Jetset-Boxenluder der frühen 60er Jahre!
- Nochmal: Der lange Atem dieses Albums ist schlichtweg phänomenal. Auf S. 54 von 64 beginnt endlich das Rennen, über das wir auf den vorangegangenen 53 Seiten wirklich jedes erdenkliche Detail erfahren haben, bis hin zu den Nachtschichten der Mechaniker, den Tests, den neuen Wagenmodellen, den Probefahrten, den Journalisten, den Werksspionen, alles.
- Beim Streckenplan auf S. 55 finde ich die im Inneren der Strecke hochkant "versteckten" Infos über Flugpionier Wilbur Wright sehr interessant. Ein erster Hinweis darauf, dass Graton sich auch fürs Fliegen interessiert?
- Auf S. 59 fand ich witzig, wie langsam und entspannt Boxenstopps damals noch waren. Während der Wagen aufgetankt wird, trinkt der Fahrer in aller Ruhe neben seinem Wagen einen Kaffee...
- Die dramatische Zuspitzung am Ende ist toll gemacht (das unterste Bild von S. 63 evoziert haargenau das Le-Mans-Trauma, als 1955 ein Wagen in Einzelteilen nach links durch die gesamten Tribünen flog), wird aber hier ganz anders und komplex aufgelöst, nämlich mit einem von Aufputschmitteln vorübergehend wahnsinnig/suizidal gewordenen Fahrer.
- Auf der letzten Seite tun sich psychologische Untiefen auf: Wenn Michel der Junge ist, der Francoise immer sein sollte, heiratet sie später sozusagen ihr ideales Alter Ego. Oder ihren nicht realen großen Bruder!
- Clever, die Zahlenspielerei von Joseph im allerletzten Bild. Hier auf der Webseite finden sich ja noch weitere verrückte "13"s...

Der Filmempfehlung des Nachworts in Bezug auf "Die Abenteurer" kann ich mich voll und ganz anschließen. Ein wirklich außergewöhnlicher Film, packend und unvorhersehbar bis zum Schluss. Läuft manchmal auf Arte und gibt's auf DVD.

Abschließend von mir noch ein Literaturtipp: Die Schriftstellerin Christiane Neudecker hat in ihrem Kurzgeschichtenband "Das siamesische Klavier" eine tolle Short Story mit dem Titel "Der Erlkönigjäger". Hier geht es - in Entsprechung zu dem "amerikanischen Spion" in vorliegendem Vaillant-Band - um einen Fotografen, dessen Aufgabe es ist, Fotos von streng geheimen Automobilprototypen zu machen. Christiane Neudecker hat dann sogar noch einen ganzen Roman im Milieu der Automobilpräsentation angesiedelt,"Boxenstopp". Ihre Faszination für das Thema ist also tiefreichend, und sie geht sehr kompetent und stilistisch herausragend damit um. Ganz klare Empfehlung!

viele Grüße
Tobias

BobCramer Offline



Beiträge: 191

06.01.2015 21:58
#2 RE: Das fünfte Album: "Die 13 ist am Start" antworten

Hallo Tobias,

so, diesmal habe ich mal wieder Zeit, etwas ausführlicher auf Deine Anmerkungen einzugehen. Für mich und den Rest des Redaktionsteams ist die Ära der besonders zeitaufwändigen Nachworte mit dem 13. Album ja erst Mal abgeschlossen, weshalb wieder mehr Zeit für andere vaillantologische Aktivitäten bleibt. Obwohl die Erstellung der Nachworte sehr spannend war, ist das Redaktionsteam froh, dass diese sehr, sehr arbeitsintensiven 2,5 Jahre jetzt zu Ende sind. In Zukunft gibt es wieder überschaubare 1seitige Vorworte.

Zu Deinen Anmerkungen:

>> "Die 13 ist am Start" ist bislang mein Lieblingsalbum in der Michel-Vaillant-Reihe.

Ich schätze, es ist unterm Strich das populärste MV-Album - und überhaupt ein legendärer Klassiker der Comicgeschichte. In Sachen Atmosphäre und Erzählkunst absolut perfekt und zeitlos.

>> Der Aufbau ist einfach perfekt.

In der Tat. Es fällt wirklich auf, wie gut diese Geschichte konstruiert und erzählt ist. Da greift alles perfekt ineinander. Vielleicht hast Du ja mal meine Handlungsanalyse auf der Website gelesen:

http://www.michel-vaillant.de/seiten/the...05_special.html

Wenn man sich die Story genauer anschaut, erkennt man, wie gut durchdacht das alles ist. Ähnlich gut konstruiert ist eigentlich nur noch "A7 - Die Draufgänger", wo ja bekanntermaßen Duchateau das Szenario geliefert hat.

>> Diese deutsche Albumausgabe fängt ja schon einmal grandios an, mit zwei Seiten, die es nicht einmal in Frankreich gibt (!). Für mich, der die alten Vaillant-Alben chronologisch durchgeht, ein kleiner Schock, plötzlich im Zeichenstil von 1973 zu sein, der ganz anders ist als der aus den späten 50ern. Die Bilder sehen irgendwie unscharf aus. Mussten sie vergrößert werden, weil sie ursprünglich ein kleineres Format hatten? Wenn man von Seite 3 auf Seite 4 umblättert, hat man das Gefühl, es würde einem ein Schleier vorm Gesicht weggezogen ...

Das sind Scans aus alten ZACK-Heften - gerade weil es keinerlei Vorlagenmaterial mehr gibt, musste die Redaktion hier notgedrungen auf zweitklassiges Bildmaterial zurückgreifen. Das war leider nicht anders zu machen. Auch die Franzosen haben ja diese Seiten nicht mehr, weshalb Philipe besonders begeistert war, als wir sie ausgegraben haben. Eventuell liegen die Originalvorlagen noch irgendwo in einem Ordner des alten Koralle-Verlages in einem Hamburger Archiv... Gigi Spina hätte vielleicht näheres gewusst, aber den kann man keider nicht mehr fragen.

>> Dann der eigentliche Beginn: ein ganz klarer Verweis auf die Le-Mans Katastrophe von 1955,

Das ist eindeutig ein Verweis, genau. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich Graton immer wieder von der Realität inspirieren ließ, um spannende fiktive Geschichten zu erzählen. Ich habe mich oft gefragt, ob JG womöglich sogar Augenzeuge der Katastrophe gewesen ist. Leider ist dazu nirgendwo was zu lesen.

>> Dann löst sich das als Traumsequenz auf, aber die alptraumhafte Wirkung bleibt bestehen.

Das ist ein toller erzählerischer Kunstgriff. Traumsequenzen können leicht billig und aufgesetzt wirken. In diesem Fall hat die Sequenz eine wichtige Funktion, weil sie wie ein Alpdruck über dem gesamten Geschehen lastet und wir genau wissen, dass MV auf die eine oder andere Weise wirklich in Gefahr kommen wird. Man muss sich nur die Wirkung beim Erstabdruck vorstellen, als die Leser immerhin sieben Monate lang (!) auf die Auflösung der Geschichte warten mussten und so eine enorme Spannung aufgebaut wurde. Heute, wo man das Abum in einer Stunde lesen kann und die Auflösung kennt, kann man sich kaum noch vorstellen, was für eine Wirkung dieser kunstvolle Handlungsaufbau seinerzeit gehabt haben muss.

>> Dann der Zeichenwettbewerb. Wirklich außergewöhnlich! Von einem so konsequenten Wettbewerb habe ich selten gehört.

So etwas dürfte einmalig gewesen sein. Der Wettbewerb zeigt mal wieder, wieviel Zeit und Energie Graton in den Anfangsjahren der Serie investiert hat, um seine Serie zu pushen. Man darf ja nie vergessen, dass alle Tintin-Zeichner in einem scharfen Wettbewerb standen und es das Serien-Aus bedeuten konnte, wenn man im Leser-Ranking abfiel. Graton hat in den ersten Jahren alles getan, um sich in diesem Haifischbecken zu behaupten - deshalb gab es ja auch diese besonders schönen Ankündigungsseiten.

>>(Ich habe mir mal den Spaß gemacht, die siegreichen Brüder Van der Stricht zu googeln: der eine ist Architekt geworden, und von dem zweiten findet man im Netz mehrere sehr schöne Automobilillustrationen ...)

Ich habe auch mal nach den Brüdern gegoogelt. Das sind dann sicherlich die Van der Strichts vom Wettbewerb.

>> Retardierendes Geplänkel mit Francoise.

Sehr schön, wie sie als nervige Teenie-Reporterin eingeführt wird und MV Zunder gibt. Ich glaube nicht, dass Graton damals schon geplant hat, die beiden zu verbandeln. Interessanterweise dauerte es 13 Jahre bis zur Heirat - mal wieder ein Beispiel dafür, wie präsent die 13 im MV-Kosmos ist.

>> Dieser ganz lange Atem erinnert mich jetzt doch wieder an das, was man heutzutage eine "Graphic Novel" nennt.

Ja, das ist hervorragende Storytelling. Man mag ja heute über die etwas muffige Moral von damals lästern, aber eine Story wie diese muss ein heutiger Szenarist erst Mal hinbekommen.

>> Bei "Nachtfahrt" fand ich das aufgrund der Unwahrscheinlichkeit einer Verbrecherjagd mit Formel-1-Prominenz-Beteiligung noch nicht so ganz gelungen. In "Die 13 ist am Start" geht dieses Konzept voll auf, denn alle Schuster bleiben jetzt bei ihren Leisten. Es geht um Rennsport, um sonst nichts. Genauer: Es geht ein ganzes langes Album lang um nur ein einziges Rennen. Das ist wirklich außergewöhnlich.

Ja, da sind die Elemente perfekt ausbalanciert, das ist sicher der Grund für den großen Erfolg und die nachhaltige Wirkung des Albums. Und in der Tat hat sich Graton nie wieder derart ausgiebig mit einem einzigen Rennen beschäftigt. Schon als Zeitdokument hat das Album daher bleibenden Wert.

Was "Nachtfahrt" betrifft, ist es sicherlich etwas unrealistisch, wenn zwei Grand-Prix-Asse plötzlich als Hobbydetektive auftreten. Aber die wunderschönen, atmosphätisch einmaligen Zeichnungen, die spannende Krimihandlung und die tollen, authentischen Einblicke ins damalige Trucker-Milieu machen das Album für mich zu einem echten Klassiker. Die ganze Geschichte zeugt von der Sorgfalt und Akkuratesse, mit der Graton damals gearbeitet hat.

>> - Auf S. 38 sehen wir endlich Bob Cramer mal ohne Helm. Hallo Bob! (ich habe in diesem Forum ja schon ein paar Mails mit ihm gewechselt... ;-))

Bob mit Cowboyhut ist schon der Bringer. :) Ich frage mich, ob vielleicht Randolph Scott die Vorlage für ihn abgab? Diese verwitterte Eisenbeißervisage erinnert doch stark an unseren Bob.

>> - Auf S. 39 im vierten Bild sind die Corvettes zu sehen, die 1960 erstmals an Le Mans teilnahmen. Sie werden hier noch nicht namentlich genannt, das wird dann auf S. 44 im dritten Bild nachgeholt. Möglicherweise hat das recht gute Abschneiden dieser amerikanischen Wagen Graton überhaupt erst auf die Idee mit dem Cowboy-Team aus Texas gebracht.

Gut möglich. Das müsste man mit unserem Rennsport-Experten Ben besprechen.

>> Eine sehr schön bebilderte Dokumentation über die Corvettes in Le Mans 1960 findet sich übrigens auf Youtube unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=aGCGz6rAEts. Auch hier bekommen wir die Vorbereitungen, die Testfahrten, das "Dorf" und viele Anekdoten (Eis, das in Motoren geschaufelt wird!) zu sehen und zu hören. Wie ich finde, sehr gutes Begleitmaterial zu diesem Album.

Guter Tip, danke, das werde ich mir reinziehen. Dafür wird sich auch Ben interessieren.

>> - Anhand von S. 43 fiel mir zweierlei auf: Erstens gibt es nie "Vaillante"-Bandenwerbung, weil "Vaillante"-Bandenwerbung bedeuten würde, dass Jean Graton eine real existierende Bandenwerbung "überkleben" müsste, und das widerspricht wohl seinem dokumentarischen Anspruch. Zweitens hat er ein ähnliches Problem, indem er den Vaillantes einen Platz in der Boxengasse zuweist, denn diesen Platz hat in Wirklichkeit ja ein anderes Team inne. Das ist tatsächlich ein interessantes Handicap: Ein fiktives Team so in die Realität einfügen, dass niemand Bestimmtes dabei benachteiligt wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass Graton ziemlich viel darüber gegrübelt hat, wie er das von Saison zu Saison immer wieder neu gestalten kann.

Über dieses Problem haben wir uns noch nie Gedanken gemacht. Ich werde auch dazu mal Ben befragen, was er dazu meint.

>> - Eine ganz tolle Idee finde ich, die Strecke anhand einer Probefahrt vorzustellen, wie hier auf den Seiten 45 bis 47. Man vermisst zwar ein wenig den Streckenplan, aber der wird acht Seiten später nachgeliefert. Wenn das Rennen dann beginnt, hat man das Gefühl, mit der Streckenführung schon erstaunlich vertraut zu sein.

JG liefert die Infos über die Strecke und das Rennen häppchenweise, sodass der Leser nicht mit Infos überflutet wird. Das ist hervorragend gemacht, und die Runde in Le Mans ist eine besonders schöne Sequenz, gerade auch, weil sie dem Leser nochmal Zeit zum Luftholen gibt, bevor der dramatische Endkampf losgeht.

>> - Nochmal: Der lange Atem dieses Albums ist schlichtweg phänomenal. Auf S. 54 von 64 beginnt endlich das Rennen, über das wir auf den vorangegangenen 53 Seiten wirklich jedes erdenkliche Detail erfahren haben, bis hin zu den Nachtschichten der Mechaniker, den Tests, den neuen Wagenmodellen, den Probefahrten, den Journalisten, den Werksspionen, alles.

Man ist wirlich bestens informiert, und weil man so gut informiert ist, packt einen das Rennen dann umso mehr. Der Leser hat tatsächlich das Gefühl, ihm real beizuwohnen.

>> - Beim Streckenplan auf S. 55 finde ich die im Inneren der Strecke hochkant "versteckten" Infos über Flugpionier Wilbur Wright sehr interessant. Ein erster Hinweis darauf, dass Graton sich auch fürs Fliegen interessiert?

Schwer zu sagen. Auf jeden Fall ein interessanter Hinweis von JG. Bei seinen Tintin-Vierseitern hat er sich ja auch gelegentlich mit Flugpionieren befasst, das Thema war ihm also geläufig.

>> - Auf S. 59 fand ich witzig, wie langsam und entspannt Boxenstopps damals noch waren. Während der Wagen aufgetankt wird, trinkt der Fahrer in aller Ruhe neben seinem Wagen einen Kaffee...

Ja, heute undenkbar. :)

>> - Auf der letzten Seite tun sich psychologische Untiefen auf: Wenn Michel der Junge ist, der Francoise immer sein sollte, heiratet sie später sozusagen ihr ideales Alter Ego. Oder ihren nicht realen großen Bruder!

Das ist tiefenpsychologisch äußerst bedenklich! An solche Implikationen haben Jean und Francine bei der Ausgestaltung dieser Beziehung wohl nicht gedacht. :)

>> - Clever, die Zahlenspielerei von Joseph im allerletzten Bild. Hier auf der Webseite finden sich ja noch weitere verrückte "13"s...

Ein schöne, wohl platzierte, gut ausgetüftelte Schlußpointe von Joseph.

>> Der Filmempfehlung des Nachworts in Bezug auf "Die Abenteurer" kann ich mich voll und ganz anschließen. Ein wirklich außergewöhnlicher Film, packend und unvorhersehbar bis zum Schluss. Läuft manchmal auf Arte und gibt's auf DVD.

Einer meiner Lieblingsfilme und perfekt von A-Z. Ventura und Delon spielen einfach großartitg - wo sind sie bloß hin, die Darsteller von solchem Format? Ganz zu schweigen von der unglaublich charmanten Joanna Shimkus. Der ganze Film reiht eine großartige Szene an die andere und wirkt dabei vollkommen unangestrengt und unintellektuell. Für solche Meisterwerke lieben wir einfach das klassische französische Kino. Zwei Jahre später kam in "Der Clan der Sizilianer" zu Lino und Alain sogar noch Jean Gabin dazu. Meines Wissens so ziemlich der einzige Film mit drei derart hoch besetzten, gleichrangigen Superstar-Hauptrollen. Aber jetzt sind wir weitab vom Thema... :)

>>Abschließend von mir noch ein Literaturtipp: Die Schriftstellerin Christiane Neudecker hat in ihrem Kurzgeschichtenband "Das siamesische Klavier" eine tolle Short Story mit dem Titel "Der Erlkönigjäger". Hier geht es - in Entsprechung zu dem "amerikanischen Spion" in vorliegendem Vaillant-Band - um einen Fotografen, dessen Aufgabe es ist, Fotos von streng geheimen Automobilprototypen zu machen. Christiane Neudecker hat dann sogar noch einen ganzen Roman im Milieu der Automobilpräsentation angesiedelt,"Boxenstopp". Ihre Faszination für das Thema ist also tiefreichend, und sie geht sehr kompetent und stilistisch herausragend damit um. Ganz klare Empfehlung!

Ah, danke für den Tip. Bei Gelegenheit besorge ich mir das Buch mal.

Danke noch Mal für Deine vielen treffenden Anmerkungen!

Gruß
Bob

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

07.01.2015 15:36
#3 RE: Das fünfte Album: "Die 13 ist am Start" antworten

Und Dankeschön für die Anmerkungen zu den Anmerkungen.
Tut mir leid, dass meine Postings immer so lang sind, aber das ergibt sich daraus, dass in den Alben so viel Bemerkenswertes zu entdecken ist. Das hatte ich so gar nicht erwartet, und es erstaunt mich immer wieder. Für mich ist das Lesen eines Vaillant-Albums aufgrund der hohen Informationsdichte und auch des historischen Gehalts wie das Lesen eines recht umfangreichen Romans.
Mein Lesetempo ist aber aufgrund vieler anderer Lektüren langsamer geworden, vielleicht dauert es also wieder ein paar Monate, bis ich Band 6 gelesen habe. Ich bleibe aber auf jeden Fall dabei.

viele Grüße
Tobias

P.S.: Ich finde ja Bob Cramers Visage noch kantiger als die eher klassische von Randolph Scott. Es gibt einen amerikanischen Schauspieler namens Bruce Gordon, der in der Fernsehserie "Die Unbestechlichen" den Frank Nitti gespielt hat - ich finde, der sieht Bob Cramer ganz schön ähnlich. Diese Serie startete 1959 - das würde also auch zeitlich ganz genau hinkommen!

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