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Dieses Thema hat 8 Antworten
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 Alles rund um Michel Vaillant
Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

02.05.2014 20:05
Das zweite Album: "Der Fahrer ohne Gesicht" antworten

Dies wird ein ziemlich umfangreiches Posting, aber mir sind beim zweiten Band noch mehr bemerkenswerte Details aufgefallen als beim ersten.

Schon auf dem Titelbild geht es los: Das Gesicht des Fahrers mit der Nummer 12 spiegelt sich in seinem Rückspiegel, also genau genommen - da die ganze Szene sich im Visier des Geisterfahrers spiegelt - sehen wir eine Spiegelung in einer Spiegelung.
- Das Album markiert den Beginn des "Allrounders" Michel Vaillant. Bis auf S. 27 dauert es, bis er endlich hinter dem Steuer eines Rennwagens Platz nimmt, davor sehen wir ihn Motorbootrennen fahren! Im Laufe seiner langen Karriere wird er dann ja so ziemlich jedes motorisierte, nicht fliegende Gefährt steuern, das jemals erfunden wurde ...
- Toll: die Einleitungsseite mit der Hochzeitsreportage. Wieder ein schöner Bonus dieser Mosaik-Ausgabe. Wir erfahren hier auch, wo Steve Warson den größten Teil von Band 2 über abgeblieben sein soll.
- Die Hautfarbe Michels auf den S. 11 und besonders 21 und 38 erscheint mir etwas übertrieben. Klar, er soll sonnengebräunt sein. Aber warum sind alle anderen Menschen (außer dem Tennisspieler Jimmy Torrent) denn so bleich? Gehen die im Sommer nie raus?
- Gelungen finde ich, dass die erste Rennstrecke in diesem Album, die wir zumindest in einem Film über den Geisterfahrer zu Gesicht bekommen, wieder Spa-Francorchamps ist. Das knüpft direkt an Band 1 an, man ist mit dieser Strecke bereits vertraut und hat nicht das Gefühl, inflationär mit neuen Strecken zugeschmissen zu werden. Heimeligkeit stellt sich ein.
- Schön: Auf S. 15 links oben liest die Familie mit offensichtlichem Vergnügen ein "Tintin". Interessant wäre, ob es sich um eine tatsächlich existierende Ausgabe handelt, und ob die Abenteuer von Michel Vaillant in ihr enthalten sind.
- Auch schön: Das Fürstenpaar auf S. 17. Fürst Rainier ist sehr gut getroffen, die einzigartige Hübschheit von Grace Kelly jedoch sicherlich nur schwer zu zeichnen. Die beiden tauchen dann ja noch mehrmals auf, und immer ist Rainier gut Rainier, aber Grace nicht wirklich Grace.
- Das Crossover mit "Jari" ist für die Fans beider Serien eine runde Sache. Offensichtlich haben beide Zeichner ihre jeweiligen Figuren in der Geschichte des anderen gezeichnet, daraus ergibt sich ein interessanter Verfremdungseffekt, weil die karikaturesken Figuren Redings nicht wirklich ins realistische Vaillant-Universum zu passen scheinen. (Lustig ist übrigens das geradezu gemeingefährlich tollkühne Überholmanöver, das Raymond Reding auf seiner zweiten Seite im drittletzten Bild Michel andichtet. Ob Jean Graton eine derartige Gefährdung des normalen Straßenverkehrs seinem Helden hätte durchgehen lassen?)
- Auf der Rennteilnehmerliste auf S. 26 fiel mir unten der Name "Jack Brabham" ins Auge, ein Name, den man heute noch kennt, weil Brabham 1961 ein eigenes Konstrukteursteam gründete und viele berühmte Rennfahrer für "Brabham" starteten.
- Und da ist ja auch der geheimnisvolle "Spion" aus Band 1 wieder. Schön, dass dieser Faden weitergesponnen wird. Agnes entdeckt ihn auf S. 28, aber wir Leser können ihn bereits im ersten Bild von 27 sehen!
- Schön: Der Streckenplan auf S. 28. Hier erstmals bei "Michel Vaillant", später ein oft genutztes Feature.
- Oje, Monaco. Ich weiß noch, beim Formel-Eins-Fahren auf der Playstation war das immer die einzige Strecke, bei der ich von vornherein keine Chance hatte. Zu eng zum Überholen, mit Randbebauung, dadurch dauernde Karambolage-Gefahr, und mit seinen Schikanen und Haarnadelkurven einfach sauschwer zu fahren.
-Auf S. 32 findet sich diesmal ein definitiver Colorierungsfehler, nämlich im fünften Bild. Der Wagen, der ganz dicht vor Michel fährt, muss rot sein, es ist nämlich die Nummer 12 von Keith Campbell (die auch auf dem Titelbild zu sehen ist.) Auch im siebten Bild müsste der gelbe Wagen hinter Michel eigentlich genau jener rote sein.
Falls sich übrigens jemand fragt, warum am Ende ein anderer Maserati, nämlich die Nr. 14, als zweiter über die Ziellinie fährt (s. Seite 35, Bild 5), und wo eigentlich die Nr. 12 abgeblieben ist: Auf S. 34, in Bild 6 sieht man die 12 fahrerlos am Rand der Strecke stehen. Der Wagen ist offensichtlich wegen eines technischen Defektes "liegengeblieben".
- Toll finde ich auf S. 35 das dritte Bild, wo wir den entscheidenden Moment des Rennens mit Michels Augen sehen, quasi also an seiner statt das Lenkrad übernehmen!
- Geradezu genial finde ich, dass Michel auch in diesem Album wieder in Spa-Francorchamps scheitert. Im ersten Album ist er hier beinahe erstickt, in diesem überheizt der Motor. Diese Strecke bekommt dadurch "Persönlichkeit" als Michels Unglücksstrecke.
- Gelungen ist, wie die Leser verschiedene Personen verdächtigen können, der "Fahrer ohne Gesicht" zu sein, ohne dass es besonders explizit (z. B. durch Gedankengänge Michels) ausgesprochen wird. Auf S. 36 verdächtigt man Steve Warson, auf S. 39 Jean-Pierre. Sogar an Agnes habe ich gedacht, weil der "Fahrer ohne Gesicht" auf S. 32 als "klein" bezeichnet wird und sie auf S. 10 ja als Autofahrerin etabliert wurde.
- Schön auf Seite 44 der Streckenplan von Gueux, der eine gelungene Fusion aus schematischer und perspektivischer Darstellung ist. (Diese Strecke bei Reims ist mir übrigens vollkommen unbekannt, aber Jean Graton kannte sie wahrscheinlich wie seine Westentasche ...)
- Auf den Seiten 45/6 wird endlich die Identität des geheimnisvollen "Spions" aus Album 1 gelüftet. Schön, dass Graton hier ein kleines Zeichen gegen den kalten Krieg setzt, und die Russen nicht als verbiesterte Finstermänner, sondern ausgesprochen freundlich darstellt. (Das Thema mit den russischen Fahrern ist übrigens gerade wieder aktuell, denn Vitali Petrov ist, nachdem er - wie im Nachwort erwähnt - jahrelang der einzige Russe in der Formel Eins war, seit wenigen Tagen der einzige Russe in der DTM geworden.)
- Das letzte Bild auf S. 47 finde ich sehr interessant, weil es zeigt, dass der Start ein sehr turbulenter gewesen sein muss. Die beiden Russen haben seit ihrer Qualifikationsplatzierung die Plätze getauscht, und der drittschnellste, Behra, ist bereits von Michel überholt worden. Es ist beachtlich, wieviel man von einem Rennen erzählen kann, indem man einfach nur Schlaglichter darauf wirft.
- Michels Unfall auf S. 51 ist hammerhart. Korrespondiert auch mit seinem Unfall auf dem Wasser auf S. 18. Dort sah man den Körper durch die Luft schleudern, hier nicht. Aber im Gegensatz zu Steve Warson im ersten Album steckt Michel so etwas immer locker weg. Kein Knochenbruch, keine Bluttransfusion, nichts. Deshalb ist er unser Held: weil sein braungebrannter Leib aus Dunlop-Reifengummi zu bestehen scheint. ;-)
- S. 54 bereits (also beachtliche elf Seiten vor dem Ende): die Demaskierung des "Fahrers ohne Gesicht".
Ich will seine Identität hier nicht spoilern, aber so hundertprozentig schlüssig scheint mir das nicht zu sein: Zwar ist seine Abwesenheit in Spa-Francorchamps und Gueux gut erklärt worden, aber warum niemandem aufgefallen ist, dass er in Monaco nicht auf seinem Posten war (er hat doch schließlich während des Rennens einen wichtigen Job zu machen), ist eigentlich nicht logisch erklärbar.
- S. 56: Geburt eines Dreamteams: Steve und Michel fahren erstmals endlich gemeinsam für Vaillant.
- Auf S. 59 gibt es dann noch eine Überraschung, als plötzlich ein zweiter "Fahrer ohne Gesicht" auftaucht, und hier zeigt sich, dass ich gar nicht so schief lag, als ich Agnes verdächtigte.
- Beim abschließenden Monza-Rennen fiel mir außer dem spektakulären lilafarbenen Himmel am Start auf, wie trickreich auf den jeweils dritten Bildern der S. 62 und 63 die Zuschauer coloriert sind. Dieser "pointillistische" Stil simuliert sehr gut große Geschwindigkeit beim Vorbeifahren (d. h. die Rennwagen sind scharf, die Zuschauer unscharf verwischt).

Abschließend noch eine Bemerkung zum Manga "Mach Go Go Go" (alias "Speed Racer") und der dortigen Figur "Racer X". Das Design dieser Figur ist Gratons "Fahrer ohne Gesicht" extrem ähnlich, mit dem großen X auf der Helmstirn. Noch frappierender ist jedoch, dass beide anonyme Figuren zur Hauptfigur des jeweiligen Comics in genau demselben verwandtschaftlichen Verhältnis stehen. Ich will hier wieder nicht spoilern, aber das kann doch kaum ein Zufall sein.
Definitiv war Jean Graton zuerst da mit seiner Idee, dieses Album stammt von 1959, Manga und Anime von "Mach Go Go Go" entstanden erst in den 60ern. Vielleicht ist Tatsuo Yoshida ja irgendwie an eine "Michel Vaillant"-Ausgabe geraten, oder zumindest an ein "Tintin". (Übrigens ist "Mach Go Go Go" ein außergewöhnlich schwacher Manga, finde ich. Die Renndramaturgie entbehrt jeglicher Logik, der Held soll immer nur möglichst heroische Stunts vollführen, und alles ist extrem vorhersagbar. Die Kinoverfilmung "Speed Racer" wiederum fängt jedoch die quietschige Vergnügungsparkatmosphäre der Vorlage ausgezeichnet ein.)

Und wieder ein tolles Nachwort mit einer nachdenklichen Erörterung, wie unheimlich es damals gewesen sein muss, dass so viele Fahrer, die in "Michel Vaillant" auftauchen durften, kurz darauf tödlich verunglückten. Im Vergleich zu damals macht der Rennsport heute beim Zuschauen wahrlich unbedenklicheren Spaß.

Grüße an alle
Tobias

P.S: Und wer Lust darauf hat: auch zu diesem Album habe ich auf Youtube ein Video gefunden, das den Grand Prix von Monaco aus genau jenem Jahr ausführlich wiedergibt. Man findet es unter dem Titel "GP de Monaco 1959. Résumé de 40 minutes". Diesmal ist aber nirgendwo ein "Doppelgängerpärchen" zu entdecken ... ;-)

Gast
Beiträge:

09.05.2014 14:11
#2 RE: Das zweite Album: "Der Fahrer ohne Gesicht" antworten

Hallo Tobias,

danke fürs ausführliche Posting - da musst Du ja stundenlang dran gesessen haben.

Habe leider nicht die Zeit, auf alle Deine Punkte einzugehen, aber Deine Beobachtungen und Schlüsse sind auf jeden Fall nachvollziehbar.

>>- Die Hautfarbe Michels auf den S. 11 und besonders 21 und 38 erscheint mir etwas übertrieben. Klar, er soll sonnengebräunt sein. Aber warum sind alle anderen Menschen (außer dem Tennisspieler Jimmy Torrent) denn so bleich? Gehen die im Sommer nie raus?

In diesem Album ist an manchen Stellen die Kolorierung nicht so optimal. Francine war da eventuell noch nicht so geübt.

>>- Schön: Auf S. 15 links oben liest die Familie mit offensichtlichem Vergnügen ein "Tintin". Interessant wäre, ob es sich um eine tatsächlich existierende Ausgabe handelt, und ob die Abenteuer von Michel Vaillant in ihr enthalten sind.

Müsste ich nochmal im Detail checken - aber erfahrungsgemäß sind alle Cover, die in der Serie auftauchen, echt. In Band 4 liest Yves auch in Tintin, und das ist ein reales Cover. Genauso das Line-Cover, das Francoise in Band 5 vorzeigt.

>>- Schön: Der Streckenplan auf S. 28. Hier erstmals bei "Michel Vaillant", später ein oft genutztes Feature.

Ja, die alten Streckenpläne sind immer sehr schön. Könnte man mal ein Special für die Website draus machen.

>>- Toll finde ich auf S. 35 das dritte Bild, wo wir den entscheidenden Moment des Rennens mit Michels Augen sehen, quasi also an seiner statt das Lenkrad übernehmen!

Das dürfte die Erfindung der Onboard-Kamera gewesen sein! In A26 hat Graton diese Darstellung noch ausgebaut (beim Monaco-Kurs).

>>- Schön auf Seite 44 der Streckenplan von Gueux, der eine gelungene Fusion aus schematischer und perspektivischer Darstellung ist. (Diese Strecke bei Reims ist mir übrigens vollkommen unbekannt, aber Jean Graton kannte sie wahrscheinlich wie seine Westentasche ...)

Das war der alte französische F1-Kurs zwischen Reims und Gueux - da wurde auf öffentlichen Straßen gefahren. Auf Google Earth kann man sich die alten Tribünen und Boxen anschauen - faszinierend. Ist leider alles total runtergekommen, anscheinend fühlt sich keiner dafür zuständig, die Gebäude abzureißen. Oder stehen die unter Denkmalschutz?

>>- Michels Unfall auf S. 51 ist hammerhart. Korrespondiert auch mit seinem Unfall auf dem Wasser auf S. 18. Dort sah man den Körper durch die Luft schleudern, hier nicht. Aber im Gegensatz zu Steve Warson im ersten Album steckt Michel so etwas immer locker weg. Kein Knochenbruch, keine Bluttransfusion, nichts.

Er wird nur einmal wirklich verletzt: In A28 bricht er sich das Handgelenk. Aber ansonsten kommt er wirklich erstaunlich verletzungsfrei durch seine lange Karriere. Seine Crashs übersteht er immer ohne große Blessuren. Graton hat die Darstellung von Unfallfolgen ab Mitte der 60er sowieso generell abgemildert - solche Szenen passten wohl nicht zu jugendorientierten Abenteuern.

>> Und wieder ein tolles Nachwort mit einer nachdenklichen Erörterung, wie unheimlich es damals gewesen sein muss, dass so viele Fahrer, die in "Michel Vaillant" auftauchen durften, kurz darauf tödlich verunglückten. Im Vergleich zu damals macht der Rennsport heute beim Zuschauen wahrlich unbedenklicheren Spaß.

Danke fürs Lob! Ja, der Rennsport war damals extrem gefährlich. Ich habe kürzlich fürs A10-Nachwort recherchiert - von den F1-Fahrern der 63er und 64er Saison sind rund die Hälfte bis Anfang der 70er Jahre gestorben, darunter auch der Top-Fahrer dieser Ära, Jim Clark, der wohl wegen eines Reifenproblems an einen Baum knallte. Sowas kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, die Autos sind ja Hochsicherheitszellen!

Also noch viel Spaß bei MV!

Gruß
Jürgen

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

10.05.2014 09:12
#3 RE: Das zweite Album: "Der Fahrer ohne Gesicht" antworten

danke fürs ausführliche Posting - da musst Du ja stundenlang dran gesessen haben.

Ähm, tagelang trifft es eher, ich habe das Album sehr langsam gelesen und mir immer wieder zwischendrin Notizen gemacht.
Wenn ich euch damit nicht auf die Nerven gehe, würde ich bei den weiteren Alben gerne so weitermachen, aber natürlich werden meine Postings sicherlich nicht immer so umfangreich. Hängt ja vom jeweiligen Album ab, ob mir viel auffällt.

von den F1-Fahrern der 63er und 64er Saison sind rund die Hälfte bis Anfang der 70er Jahre gestorben

Das ist wirklich unfassbar. Wenn man man dann noch bedenkt, wie viele Zuschauer ums Leben gekommen sind (alleine schon über achtzig an einem einzigen Tag in Le Mans), ist es beinahe verwunderlich, dass diese Sportart nicht irgendwann verboten wurde, oder ihr zumindest frühzeitig strenge Auflagen erteilt wurden, sicherer zu werden.

liebe Grüße
Tobias

Gast
Beiträge:

16.05.2014 23:40
#4 RE: Das zweite Album: "Der Fahrer ohne Gesicht" antworten

Hallo Tobias,

>>Wenn ich euch damit nicht auf die Nerven gehe, würde ich bei den weiteren Alben gerne so weitermachen, aber natürlich werden meine Postings sicherlich nicht immer so umfangreich. Hängt ja vom jeweiligen Album ab, ob mir viel auffällt.

Mach ruhig, das ist auf jeden Fall okay. Vielleicht beteiligen sich ja auch noch andere an der Diskussion.

Zu den alten Alben kann man generell viel sagen - deshalb haben wir bei Mosaik ja Platz für mehr redaktionelle Seiten beantragt und glücklicherweise auch erhalten. Das wird sich wieder ändern, wenn dann Ende des Jahres die ersten 13 Alben publiziert sind. Mosaik wird dann die Alben 39-45 neu publizieren, die in den 80ern bei Ehapa erschienen sind. Diese Geschichten sind grundsätzlich weniger ergiebig als die alten komplexen und handlungssatten 62-Seiten-Alben. In diesen Alben müssen auch keine zentralen Elemente des MV-Kosmos vorgestellt werden wie z.B. die Jonquiere. Da hat Graton ja nur noch routiniert auf bewährte Rezepte zurückgegriffen und, wie ich vermute, insgesamt nicht mehr denselben Recherche- und Entwicklungsaufwand bei den Stories betrieben wie bei den Klassikern. Und leider wurde das Image der Serie ab den späten 70ern durch die allzu routinierten Fließband-Produktionen für Koralle ziemlich versaut. Aber vielleicht konnte man auch nicht erwarten, dass Graton ewig auf dem Niveau von A5 oder A9 arbeiten würde.

>> Das ist wirklich unfassbar. Wenn man man dann noch bedenkt, wie viele Zuschauer ums Leben gekommen sind (alleine schon über achtzig an einem einzigen Tag in Le Mans), ist es beinahe verwunderlich, dass diese Sportart nicht irgendwann verboten wurde, oder ihr zumindest frühzeitig strenge Auflagen erteilt wurden, sicherer zu werden.

Das ist wahr. Die Le Mans-Katastrophe wird wohl einmalig bleiben, sowas ist bei den heutigen Sicherheitsvorkehrungen kaum noch denkbar. Habe mich immer gefragt, ob JG als Augenzeuge anwesend war, als die Katastrophe passierte. Für den Prolog von A5 hat er sich ja eindeutig von dem Desaster inspirieren lassen.

Das ist eine von den vielen Fragen, die ich dem Meister gern mal in einen ausführlichen Werk-Interview gestellt hätte. Aber das wird nicht mehr passieren... vor zehn Jahren wäre es noch denkbar gewesen, dass das Redaktions-Team mal nach Brüssel fährt und ein ausführliches Interview macht, heute leider nicht mehr.

Gruß
Bob

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

18.05.2014 08:51
#5 RE: Das zweite Album: "Der Fahrer ohne Gesicht" antworten

Vielleicht beteiligen sich ja auch noch andere an der Diskussion.

Ja, dass auch noch andere posten, welche Details ihnen an den Alben aufgefallen sind, wäre natürlich toll.
Wie gesagt finde ich Gratons Werke aufgrund ihres Detailreichtums in dieser Hinsicht ganz außergewöhnlich ergiebig. Auf vielen seiner Seiten kann man wie in Wimmelsuchbildern auf Entdeckungsreise gehen.

Grüße
Tobias

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

20.05.2014 10:08
#6 RE: Das zweite Album: "Der Fahrer ohne Gesicht" antworten

Kleiner Nachtrag zu meinen Bemerkungen über Jack Brabham:

Brabham ist vor wenigen Tagen verstorben. Im würdigen Alter von 88 Jahren. Einer von denen, die das Rennenfahren überlebt haben.

In seinem Nachruf standen erstaunliche Dinge: 1959 schob er seinen Wagen, dem das Benzin ausgegangen war, über die Ziellinie und rettete sich so den vierten Platz. Wenn ihm jemand beim Schieben geholfen hätte, wäre er disqualifiziert worden. Und 1966 wurde er als einziger Fahrer aller Zeiten in einem Auto Weltmeister, das er selbst konstruiert hatte!
Da er seine WM-Titel in den Jahren 1959, 1960 und 1966 errungen hat, bin ich mal gespannt, ob er in den kommenden MV-Alben der frühen 60er Jahre nochmal auftauchen wird.

liebe Grüße
Tobias

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

20.05.2014 10:15
#7 RE: Das zweite Album: "Der Fahrer ohne Gesicht" antworten

Und noch ein Gedanke schoss mir gerade durch den Kopf:

Da der junge Brabham gleichzeitig mit dem jungen Michel Vaillant Rennen gefahren ist (nämlich genau hier, im zweiten Album), müsste also auch Michel jetzt etwa 88 Jahre alt sein und wahrscheinlich demnächst im Kreise seiner Lieben das Zeitliche segnen.

Stattdessen hat er irgendwie Perry Rhodans Zellaktivator gefunden und ist ... immer noch aktiv???

:)

Tobias

Gast
Beiträge:

20.05.2014 19:37
#8 RE: Das zweite Album: "Der Fahrer ohne Gesicht" antworten

Hallo Tobias,

Michel müsste ungefähr Jahrgang 38 sein... mit flotten 76 immer noch als Pilot unterwegs zu sein, ist natürlich eine Leistung. Paul Newman fuhr ja auch noch jenseits der 70 Autorennen! Muss mal unseren F1-Spezialisten Ben fragen, wie alt die ältesten Fahrer waren.

Ja, Jack Brabham ist tot - offensichtlich ein Gentleman-Driver der alten Schule. Habe darüber nachgedacht, ob wir im aktuellen Nachwort darauf eingehen sollen, aber JB spielte im Vaillant-Kosmos quasi keine Rolle.

Sein Name taucht in A2 auf, aber darüber hinaus glaube ich wird er nie gezeigt oder erwähnt. Allerdings werden am Rand der Piste immer wieder Piloten gezeigt, deren Namen nicht genannt wird - vielleicht war auch mal Jack dabei.

Man müsste mal jene Top-Fahrer auflisten, die im MV-Kosmos NICHT präsent waren. Stirling Moss zum Beispiel oder auch Jochen Rindt. Gerade die Abwesenheit von Moss ist etwas mysteriös.

Gruß
Bob

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

24.05.2014 18:00
#9 RE: Das zweite Album: "Der Fahrer ohne Gesicht" antworten

Stirling Moss habe ich im dritten Album "entdeckt".
Mehr dazu dann im dortigen Thread, den ich in den kommenden Wochen einstelle.

Grüße
Tobias

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