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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 482 mal aufgerufen
 Alles rund um Michel Vaillant
Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

10.04.2014 08:18
Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Ich habe in den letzten Tagen den ersten Band der wundervollen Mosaik-Ausgabe gelesen ("Die große Herausforderung"), und möchte meine Eindrücke gerne mit anderen Lesern teilen.
Einiges ist mir aufgefallen (die Seitenzahlen beziehen sich der Einfachheit halber auf diese Albumausgabe, um die Originalseiten zu errechnen, muss man lediglich "2" substrahieren):

- Dieses Album ist ein außergewöhnlich intensives Leseerlebnis. Ich lese sehr viele Comics, aus allen vier Hemisphären (europäische Alben, amerikanische Hefte, japanische Manga-Taschenbücher, Graphic Novels), kann mich aber nicht erinnern, jemals - vielleicht mit Ausnahme von "Ghost in the Shell" und den "Dick Tracy"-Komplettbänden - so lange an einem Comic gelesen zu haben. Das liegt an der Informationsdichte der Erzählung, man sehe sich alleine die Seiten 4, 10 und 14 an - ein Wahnsinn! Zusammen mit den detaillierten, realistischen Zeichnungen ergibt das pure Magie.
- Die Atmosphäre der einzelnen Schauplätze ist toll eingefangen. Man meint, die Pisten regelrecht riechen zu können.
- Interessant fand ich, dass der Wechsel zwischen "Rennen" und "Zwischenspielen" (sprich: Familienszenen etc.) ganz am Ende nicht mehr durchgehalten wird, so als wäre Graton unter Zeit- (oder Seitenmangel-)druck geraten. Zwischen sämtlichen Rennen gibt es sehr ausführliche anderweitige Szenen, aber das Nürburgringrennen beginnt plötzlich bereits auf der selben Seite, auf der Le Mans endete.
- Wenn ich das richtig gesehen habe, ist Francine Graton auf insgesamt sechs Bildern zu sehen. Auf S. 33 gibt es nicht nur ein Bild mit ihr und unserem Zeichner/Autor Jean, sondern zwei (nämlich das im Bonusmaterial gezeigte fünfte sowie das dritte, hier stehen die beiden links), und dann noch Francine solo zwei Bilder später hinter Steve, drei Bilder später nur ihre Haare, vier Bilder später mit Gesicht, und auf der nächsten Seite im zweiten Bild lächelt sie nochmal ganz unten rechts in die Kamera.
- In dieser Szene finde ich auch den blonden Mann mit Brille sehr markant, der Steves Leibwächter/Begleiter zu sein scheint. Er ist hier auf insgesamt fünf Bildern zu sehen, taucht aber im weiteren Verlauf des Albums nicht mehr auf - es sei denn, er ist das auf S. 55 ganz unten in der Mitte.
- Der Mann mit der dunklen Brille und dem Hut, den Agnes auf S. 57 verdächtig findet, wird gar nicht "aufgelöst", d. h. wir erfahren nicht mehr, um wen es sich dabei handelt. Das Bild, auf dem man sieht, dass er schon in Le Mans dabei war, findet sich auf S.54 bei der Ehrenrunde.
- Apropos Agnes: Ihre Haarfarbe ändert sich während des Bandes. Bei ihrem ersten, sehr markanten Auftritt auf S. 9 ist sie noch dunkelblond, auf S. 31 und 32 heller mit dunklen Stellen und ab S. 43 hellblond.
- Dass Pressefotograf Toto nach einem letzten Auftritt auf S. 22 (Bild 8) schon auf S. 24 aus der Serie "verschwunden" ist (wurde er entführt? zu einem anderen Auftrag beordert?) ist tatsächlich kein Verlust. Er nervt eher, anstatt für eine zusätzliche Ebene zu sorgen.
- Dass auf S. 43 der Ferrari Testarossa gelb dargestellt wird, finde ich anzweifelnswert. "Testarossa" heißt doch alleine schon "Rotkopf" ... ;-)
- Die Beziehung zwischen Michel und Steve ist tatsächlich genau wie eine homosexuelle Liebesgeschichte inszeniert. Wie Michel auf S. 27 traurig und einsam ist, weil Steve nicht da ist; dann der zärtliche Blick, den er ihm auf S. 64 auf der Krankenbahre zuwirft ... Am Ende hat man das Gefühl, einer Doppelhochzeit beizuwohnen: Jean-Pierre bekommt Agnes, und Michel bekommt Steve. Aber im weiteren Verlauf der Serie verlieben sowohl Michel als auch Steve sich ja in Frauen, also ist diese Ebene vielleicht nur im ersten Band vorhanden.
- Die drei Bonus-Seiten mit den zusätzlichen Informationen sind grandios und setzen auf diesem Gebiet Maßstäbe, vielen Dank dafür! Alleine schon die Informationen über die zugeklebten Scheinwerfer und das Unfallschicksal von Peter Collins bereichern die Lektüre um weitere Ebenen. Ich habe nur noch eine Frage: Ganz am Schluss wird erwähnt, dass Graham Hill zu sehen sei. Den habe ich - im Gegensatz zu Bianchi, der in der Gottesdienst-Sequenz auftaucht - leider übersehen, wo steckt er?

mit freundlichen Grüßen an alle Leser
Tobias O. Meißner

BobCramer Offline



Beiträge: 191

10.04.2014 23:09
#2 RE: Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Hallo Tobias,

danke für Dein Posting.

>> Das liegt an der Informationsdichte der Erzählung, man sehe sich alleine die Seiten 4, 10 und 14 an - ein Wahnsinn! Zusammen
mit den detaillierten, realistischen Zeichnungen ergibt das pure Magie.

ja, da hat sich Graton sehr viel Mühe gegeben. Man darf nicht vergessen, dass er seine große Chance nutzen und eine eigene Serie in Tintin etablieren wollte. Deshalb hat er besonders in den ersten Jahren ganz offensichtlich extrem viel Zeit und Energie investiert und beispielsweise aufwändige Ankündigungsseiten gezeichnet oder den Designwettbewerb für Album 5 initiiert. Als Zeichner und Autor stand er ja immer in Konkurrenz zu den anderen Tintin-Künstlern und musste seine Position sichern. Das zeigt sich in der besonders sorgfältigen und liebevollen Gestaltung gerade dieser frühen Alben.

>> Interessant fand ich, dass der Wechsel zwischen "Rennen" und "Zwischenspielen" (sprich: Familienszenen etc.) ganz am Ende nicht mehr durchgehalten wird, so als wäre Graton unter Zeit- (oder Seitenmangel-)druck geraten. Zwischen sämtlichen Rennen gibt es sehr ausführliche anderweitige Szenen, aber das Nürburgringrennen beginnt plötzlich bereits auf der selben Seite, auf der Le
Mans endete.

Das ist sicher der Dramaturgie geschuldet. Gegen Ende muss die Spannung anziehen, Familienszenen stören da nur. Auch in anderen Alben kommen die entsprechenden Szenen eher am Anfang vor.

>> Wenn ich das richtig gesehen habe, ist Francine Graton auf insgesamt sechs Bildern zu sehen.

Das müsste ich selber noch mal checken...

>> Dass Pressefotograf Toto nach einem letzten Auftritt auf S. 22 (Bild 8) schon auf S. 24 aus der Serie "verschwunden" ist (wurde er entführt? zu einem anderen Auftrag beordert?) ist tatsächlich kein Verlust. Er nervt eher, anstatt für eine zusätzliche
Ebene zu sorgen.

Toto war halt als typischer lustiger Sidekick gedacht. Aber Graton ist bei allem Respekt nun nicht unbedingt der geborene Funny-Autor... :)

>> Die Beziehung zwischen Michel und Steve ist tatsächlich genau wie eine homosexuelle Liebesgeschichte inszeniert.

Entsprechende Szenen gibt es mehrere in der frühen MV-Saga, wie immer man die auch interpretieren will. Auffallend ist für mich halt Michels jahrelanges fast völliges Desinteresse am anderen Geschlecht bzw. seine äußerst abfälligen und gemeinen Bemerkungen über Francoise - während er gleichzeitg geradezu leidenschaftliche Gefühle für Steve entwickelt. Das sieht man ja auch wieder im demnächst erscheinenden Album 9 (von dem ich hoffe, das ich vor Ostern noch ein Exemplar zugeschickt bekomme).

>> Die drei Bonus-Seiten mit den zusätzlichen Informationen sind grandios und setzen auf diesem Gebiet Maßstäbe

Danke, ich gebe das Lob an meine Co-Autoren weiter. Wir sind oft selber überrascht, wieviel Infos wir zu den Alben rausgraben können. Dank guter Vernetzung haben wir mittlerweile sehr viele Infoquellen und können sogar Philippe Graton kontaktieren, wenn wir Informationen brauchen. Leider haben wir keinen Zugriff auf das offensichtlich in Brüssel gelagerte Material vom Maestro Graton. Hier würden sich sicher noch hochinteressante Schätze finden. Irgendwann soll das alles sortiert und wohl auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden - wann das sein wird, steht leider in den Sternen...

Auch weiterhin viel Spaß mit Vaillant.

Gruß
Bob

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

12.04.2014 09:46
#3 RE: Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Hallo BobCramer,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.


Zwei Details sind mir seither noch aufgefallen, die ich auch noch mit anderen Lesern teilen möchte.

1) Der Unfall in Le Mans, bei dem auf S. 51 links unten die Rauchsäule zu sehen ist, und niemand weiß, was eigentlich geschehen ist, ist sicherlich eine Anspielung auf den (damals noch frisch in Erinnerung seienden) schlimmsten Unfall der Rennsportgeschichte, als 1955 in Le Mans mehr als 80 Menschen (überwiegend Zuschauer) zu Tode kamen, und das Rennen aus organisatorischen Gründen weiterging, ohne dass viele Leute überhaupt mitbekamen, dass sich eine schreckliche Tragödie ereignet hat.

2) Ich habe auf Youtube ein Video gefunden, das perfekt zu "Die große Herausforderung" passt. Ich weiß nicht, ob es erlaubt ist, hier einen direkten Link einzustellen, aber man findet es unter dem Titel Formula 1 - 1958 Spa Francorchamps. Man kann dort die Vanwalls genau dieser Saison in Aktion sehen, man sieht die Strecke Francorchamps, die damalige Atmosphäre und das Fahrerfeld mit dem bald darauf verunglückten Peter Collins (der ja immerhin der einzige Fahrer ist, dem es in "Die große Herausforderung" vergönnt wird, Michel oder Steve einen Sieg abzunehmen).
Der größte Knüller dieses Films besteht jedoch darin, dass - wenn ich mich nicht sehr irre - bei 8:03 Minuten Jean Graton und seine Frau Francine durchs Bild laufen! Überprüft das ruhig mal, aber ich bin mir ziemlich sicher.

Grüße an alle!
Tobias O. Meißner

BobCramer Offline



Beiträge: 191

12.04.2014 18:49
#4 RE: Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Hallo Tobias,

>> Der Unfall in Le Mans, bei dem auf S. 51 links unten die Rauchsäule zu sehen ist, und niemand weiß, was eigentlich geschehen ist, ist sicherlich eine Anspielung auf den (damals noch frisch in Erinnerung seienden) schlimmsten Unfall der Rennsportgeschichte, als 1955 in Le Mans mehr als 80 Menschen (überwiegend Zuschauer) zu Tode kamen, und das Rennen aus organisatorischen Gründen weiterging, ohne dass viele Leute überhaupt mitbekamen, dass sich eine schreckliche Tragödie ereignet hat.

ja, das ist gut möglich, dass Graton hier auf die Le Mans-Katastrophe anspielt. Bestimmt ist auch die Eröffnungssszene von "Die 13 ist am Start" eine Anspielung darauf.

>> Ich habe auf Youtube ein Video gefunden, das perfekt zu "Die große Herausforderung" passt. Ich weiß nicht, ob es erlaubt ist, hier einen direkten Link einzustellen, aber man findet es unter dem Titel Formula 1 - 1958 Spa Francorchamps.

Ich glaube, direkte Links sind schon okay. Danke für den Hinweis, habe mir gerade ein paar Minuten angesehen. Die damalige Rennatmosphäre ist wirklich faszinieren. Die dicken alten Boliden sehen einfach cool aus. Gratons große Leistung besteht wirklich darin, dass er diese Atmosphäre jahrelang authentisch eingefangen hat. Das macht ja die zeitlose Faszination dieser alten Geschichten aus.

>> Der größte Knüller dieses Films besteht jedoch darin, dass - wenn ich mich nicht sehr irre - bei 8:03 Minuten Jean Graton und seine Frau Francine durchs Bild laufen!

Wow, das ist echt der Hammer. Sieht wirklich so aus, als ob das Jean und Francine sind. Wäre ja ein unglaublicher Zufall, wenn ausgerechnet diese beiden so prominent ins Bild gekommen wären. Vielleicht haben wir mal die Möglichkeit, Philippe zu fragen, ob er auch meint, dass das seine Eltern sind.

Danke für die Ausgrabung!

Grüße
Bob

P.S.: Was Deine Frage zu Graham Hill im ersten Album betrifft, bin ich momentan auch überfragt. Unser Webmaster "Ben" ist der absolute Renn-Crack und könnte das besser feststellen.

Benjamin V. Offline



Beiträge: 65

12.04.2014 19:42
#5 RE: Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Hallo Tobias,

>> Dass auf S. 43 der Ferrari Testarossa gelb dargestellt wird, finde ich anzweifelnswert. "Testarossa" heißt doch alleine schon "Rotkopf" ... ;-)

Der dort abgebildete Testarossa startet für Belgien und da die belgische Rennfarbe damals gelb war, ist er gelb. Das "Testa rossa" bezieht sich auf den rot lackierten Zylinderkopf(deckel) und nicht auf die Autofarbe.


>> Die Beziehung zwischen Michel und Steve ist tatsächlich genau wie eine homosexuelle Liebesgeschichte inszeniert ... also ist diese Ebene vielleicht nur im ersten Band vorhanden.

Na ja, ich persönlich glaube irgendwie nicht, dass der erzkonservative Graton jemals an eine homosexuelle Verbindung zwischen den beiden gedacht hat...


>> Ganz am Schluss wird erwähnt, dass Graham Hill zu sehen sei. Den habe ich - im Gegensatz zu Bianchi, der in der Gottesdienst-Sequenz auftaucht - leider übersehen, wo steckt er?

Bianchi sehen wir auf Seite 52 im 7. Bild. Den 3. von links mit dem Menjou-Bärtchen bei der Schweigeminute auf Seite 56 im Bild ganz unten halte ich für Graham Hill.

Gruß, Ben

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

13.04.2014 08:44
#6 RE: Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Hallo Bob und Ben,

@Bob: Wenn das mit dem Film stimmt, und es bislang noch niemand entdeckt hatte, könnte das auch für die französischen Fans eine Trouvaille (ein Fundstück) sein. :)

@Ben: Das mit dem belgischen Ferrari leuchtet ein und ist hochinteressant.
Die "Homosexualität" halte ich auch nicht für beabsichtigt - es geht wohl eher um "wahre Männerfreundschaft" á là Winnetou und Old Shatterhand. Und die kann ja durchaus die Züge einer echten Verliebtheit annehmen.
Und der von dir bezeichnete Schnauzbartträger könnte tatsächlich Graham Hill sein, stimmt. Er ist so prominent im Bild. Ich frage mich auch, wer der Fahrer ganz rechts auf diesem Bild ist, auch der sieht nicht aus wie ein Standardgesicht, sondern als könnte er jemand "Echtes" sein.

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen! Das ist ein tolles Privileg, sich mit den Experten direkt austauschen zu können, die auch im Album selbst das hervorragende Bonusmaterial gestaltet haben.

Grüße
Tobias

BobCramer Offline



Beiträge: 191

13.04.2014 12:20
#7 RE: Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Hallo Tobias,

>> @Bob: Wenn das mit dem Film stimmt, und es bislang noch niemand entdeckt hatte, könnte das auch für die französischen Fans eine Trouvaille (ein Fundstück) sein. :)

Die Tendenz bei den MV-Cracks, die den Film gesehen haben, geht eher dahin, dass es NICHT Jean und Francine sind. :) Tatsächlich sieht der Mann dem Maestro zwar sehr ähnlich, aber irgendwie scheint das Aussehen doch nicht ganz zu ihm zu passen. Vielleicht haben wir mal die Möglichkeit, Philippe danach zu fragen. Es wäre wirklich ein unglaublicher Zufall, wenn ausgerechnet Jean und Francine im Bild wären. Allerdings habe ich mich schon oft gefragt, ob Graton nicht in irgendwelchen Racing-Dokus/Filmen/TV-Aufnahmen aus den 60ern oder 70ern zufällig zu sehen ist. Damals trieb er sich ja dauernd auf den Rennstrecken herum.

>>Die "Homosexualität" halte ich auch nicht für beabsichtigt - es geht wohl eher um "wahre Männerfreundschaft" á là Winnetou und Old Shatterhand. Und die kann ja durchaus die Züge einer echten Verliebtheit annehmen.

Beabsichtigt ist das sicherlich nicht. Bei den frankobelgischen Klassikern fällt halt auf, dass es sehr viele engst verbundene Männerduos gibt, während Frauen gleichzeitig so gut wie gar keine Rolle spielen.

>> Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen! Das ist ein tolles Privileg, sich mit den Experten direkt austauschen zu können, die auch im Album selbst das hervorragende Bonusmaterial gestaltet haben.

Danke! Freut uns, wenn unsere Arbeit gewürdigt wird. In die Experten-Rolle sind wir natürlich auch nur so nach und nach reingewachsen. Ich habe ja lange die Website gestaltet, dann hat Ben übernommen. Er hat die Seite dann toll weiterentwickelt und beispielsweise das ganze Thema "Vaillant-Werbealben" intensiv recherchiert. Durch die Beschäftigung mit dem MV-Material erwirbt man auf jeden Fall nach und nach vertiefte Kenntnisse. Und unser Hauptautor Gerhard ist sehr gut vernetzt und gräbt auch immer interessantes Material aus. Ich selbst bin der MV-Schauplatz-Fanatiker und versuche so genau wie möglich zu recherchieren, wo welche Szenen spielen. Da gibt es immer wieder interessante Entdeckungen - zum Beispiel konnte jetzt genau ermittelt werden, an welchen Docks im Amsterdamer Hafen Steve in Album 9 gejagt wird.

Natürlich haben wir wie gesagt keinen Zugriff auf das Graton'sche Archiv, deshalb sind wir froh, dass mittlerweile die Integrales vorliegen, wo eine Menge entsprechendes Material präsentiert wird. Vor allem sind des Meisters launige Anekdoten über die Entstehung der Alben immer wieder hochinteressant.

Allerdings können auch wir bestimmte Themen nur bis zu einem gewissen Punkt ausrecherchieren. Zum Beispiel ist nicht absolut klar, wann Graton zum ersten Mal tatsächlich nach Amerika gereist ist, um vor Ort zu recherchieren. Diverse Indizien deuten darauf hin, dass das erst 1970 gewesen ist (für "Schlacht um einen Motor"). Als gesicherte Information kann das aber nicht gelten. Über solche Punkte muss dann halt im Team diskutiert werden.

Wir wollen vielleicht mal in einem der nächsten Nachworte darauf hinweisen, dass trotz sorgfältiger Recherche unsere Infos bzw. Interpretationen im Detail auch mal falsch sein können. Es ist unter den gegebenen Umständen unmöglich, das auszuschließen. Zum einen können wir Jean Graton nicht persönlich befragen, zum anderen haben wir es hier mit Geschichten zu tun, die teils vor mehr als 50 Jahren entstanden sind. Wir tun natürlich unser bestes, um möglichst wasserdichte Nachworte abzuliefern.

Grüße
Bob

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

15.04.2014 10:13
#8 RE: Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Die Tendenz bei den MV-Cracks, die den Film gesehen haben, geht eher dahin, dass es NICHT Jean und Francine sind. :) Tatsächlich sieht der Mann dem Maestro zwar sehr ähnlich, aber irgendwie scheint das Aussehen doch nicht ganz zu ihm zu passen.

Wenn es nur Jean wäre, hätte ich ebenfalls gezweifelt. Aber die Frau sieht ja auch wie Francine aus. Also dass die beiden ein Doppelgängerpärchen besaßen - das wäre ja ein ebenso grandioser Zufall, wie dass sie es wirklich sind. ^^ Außerdem finde ich es ziemlich wahrscheinlich, dass die Gratons an diesem Tag tatsächlich vor Ort waren. Und ihre Doppelgänger dann etwa auch?

Wir wollen vielleicht mal in einem der nächsten Nachworte darauf hinweisen, dass trotz sorgfältiger Recherche unsere Infos bzw. Interpretationen im Detail auch mal falsch sein können.

Ich glaube, dass die Nachworte eine persönliche Perspektive enthalten, geht zur Genüge aus ihnen hervor.
Das macht sie nur umso charmanter: Sie sind die Arbeit echter Enthusiasten.
Falls da mal etwas nicht stimmen sollte, wäre das nicht allzu tragisch. Dann kann ja immer noch in Foren wie diesem darüber diskutiert werden.

Grüße an alle!
Tobias

BobCramer Offline



Beiträge: 191

17.04.2014 19:43
#9 RE: Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Hallo Tobias,

> Wenn es nur Jean wäre, hätte ich ebenfalls gezweifelt. Aber die Frau sieht ja auch wie Francine aus. Also dass die beiden ein Doppelgängerpärchen besaßen - das wäre ja ein ebenso grandioser Zufall, wie dass sie es wirklich sind. ^^ Außerdem finde ich es ziemlich wahrscheinlich, dass die Gratons an diesem Tag tatsächlich vor Ort waren. Und ihre Doppelgänger dann etwa auch?

Da ist natürlich schon was dran. JG war mit großer Sicherheit in Francorchamps, die Frage ist natürlich, ob Francine mit dabei war.
Wir müssen, wenn sich die Gelegenheit bietet, die entsprechenden Bilder mal Philippe vorlegen. Der kennt seine Eltern am besten.

> Ich glaube, dass die Nachworte eine persönliche Perspektive enthalten, geht zur Genüge aus ihnen hervor.
Das macht sie nur umso charmanter: Sie sind die Arbeit echter Enthusiasten.

Definitiv. Man muss auch enthusiastisch sein, um diese Arbeit zu machen, denn eine große Entlohnung ist natürlich nicht drin. :) Ist aber ok, wir sind sehr froh, dass uns Mosaik überhaupt die Möglichkeit gibt, diese ausführlichen Nachworte zu schreiben, denn der Verlag muss dann immer einen oder zwei Druckbögen mehr bezahlen. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir dieses Privileg haben. Aber durch unsere jahrelange Arbeit haben wir beim Verlag mittlerweile ein gutes Standing, und unser Wiener Oberförster Gerhard hat die besten Kontakte zum Verlag und zur Comicszene.

> Falls da mal etwas nicht stimmen sollte, wäre das nicht allzu tragisch. Dann kann ja immer noch in Foren wie diesem darüber diskutiert werden.

Ich denke auch, dass man uns kleinere Fehler nachsehen wird. Ich hoffe, die Leser bemerken, dass wir uns die größtmögliche Mühe geben und unser bestes tun. Bis die Artikel in Druck gehen, werden sie in der Regel drei- oder viermal korrekturgelesen und verbessert, aber selbst unter diesen Voraussetzungen ist maximale Perfektion nicht immer erreichbar. Immerhin sind wir mittlerweile oft auf einem Wissensstand, den nicht mal die Franzosen haben. Zum Beispiel konnten wir im A5-Album die exklusiven Einleitungsseiten aus dem 73er-ZACK bringen, was Philippe begeistert hat, denn bei den Gratons lag dieses Material nicht mehr vor.

Und wir haben auch eine ziemlich wasserdichte Chronologie der Kurzgeschichten erstellen können - als Grundlage für die geplante Kurzgeschichtenedition. In den französischen Integrales sind die ja größtenteils in einer völlig falschen Reihenfolge abgedruckt.

Grüße
Bob

Tobias O. Meißner ( Gast )
Beiträge:

19.04.2014 12:14
#10 RE: Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Hallo Bob,

geplante Kurzgeschichtenedition? Yipieeh!

(Übrigens habe ich lange auf deutsche Integrals gewartet, wo doch jetzt ganz viele frankobelgische Klassiker so erscheinen. Aber ich glaube, bei einem Integral wären insgesamt ca. 5 redaktionelle Seiten drin für drei Alben, und nicht - wie jetzt - drei bis vier Seiten pro Album. Die Mosaik-Ausgabe ist ihren höheren Preis also wirklich wert!)

Grüße
Tobias

BobCramer Offline



Beiträge: 191

19.04.2014 16:25
#11 RE: Das erste Album: "Die große Herausforderung" antworten

Hallo Tobias,

ja, das Kurzgeschichtenprojekt ist in der Planung. Von unserer Seite aus haben wir schon eine Grobkonzeption erstellt, aber es sind noch rechtliche Fragen mit den Franzosen zu klären. Ich hofe, dass sich bald was tut... wir haben das Projekt zwar angeschoben, aber keinen Einfluss auf solche Dinge.

Deutsche Integrales wird's leider keine geben. Andererseits wird stattdessen jedes Album vom Redaktionsteam in der Tat ausführlich beleuchtet. Insofern ist es vielleicht die bessere Lösung. Außerdem ist die Druckqualität der Integrales zwar gut, aber die der Mosaik-Alben noch um einiges besser. Habe eben erst ein Exemplar von Album 9 bekommen und bin wieder mal begeistert von der Präsentation. JGs Artwork ist hier grandios und kommt endlich genial zur Geltung.

Gruß
Bob

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